TV-Ereignisse des Jahres 2010: Ihr ErgebnisGroßes aus der Glotze

Ein Wunder in Chile, ein tierisches Orakel, ein öffentlicher Kuss und mysteriöse Vorgänge - Sie haben abgestimmt, welche Sendung Sie am meisten bewegt hat.

Das vergangene Jahr war wieder einmal nicht arm an seltsamen TV-Ereignissen - sueddeutsche.de hat eine Auswahl an Sendungen getroffen, die besonders im Gedächtnis blieben. Sie haben abgestimmt, welche der Fernsehereignisse besonders bewegend oder auch ärgerlich waren - Ihre Rangliste in Bildern.

Rang 6: Das Medium auf RTL - Geisterstunde mit Uwe Barschel (357 Punkte bei 300 abgegebenen Stimmen, es konnten bis zu vier Punkte vergeben werden)

23 Jahre blieben die Umstände des Todes von Uwe Barschel ungeklärt. Bis RTL mit der Sendung Das Medium kam. Und Tote wachrüttelte. Es passierte am Reformationsfest, kurz vor Allerheiligen. Tage, an denen man nachdenken kann über unerklärbare Dinge zwischen Himmel und Erde. Vielleicht auch über ungeklärte Fälle, etwa darüber, wie Uwe Barschel zu Tode kam. Denn das ist nach wie vor ein Rätsel. Zumindest bis Sonntagabend. Bis zum Programm von RTL.

Da zeigte der beliebteste deutsche TV-Sender Das Medium, inklusive zweier Werbeunterbrechungen. Und da knüpfte "das Medium" Kim-Anne Jannes Kontakte zwischen Lebenden und Toten.

Bekanntmachen sollte die Sendung eine ehemals öffentliche Person: Freya Barschel auf der Suche nach einem Stückchen Wahrheit über den Tod ihres Mannes Uwe. Dem ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten, der neun Tage nach seinem Rücktritt am 11. Oktober 1987 tot in der Badewanne eines Genfer Hotels gefunden wurde. Sicher starb er an einer Medikamentenvergiftung - ob er sie in suizidaler Absicht genommen hat oder Fremdverschulden vorliegt, also ihm andere Substanzen schon im bewusstlosen Zustand verabreicht wurden, das bleibt offen. Auch nach jahrelanger Ermittlungsarbeit. Und heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Ermittlungsbehörden.

Doch nun kehrte Uwe Barschel wieder zurück. Zu seiner Witwe Freya ins gemeinsame Haus und in den geliebten Ohrensessel. "Herzlich willkommen in meinem Reich" und "ach, wie schön, wieder zu Hause zu sein", soll da Uwe zu Kim-Anne gesagt haben. "Ein Heimatgefühl", habe Barschel noch hinzugefügt. Als ihn "das Medium" Jannes zu seinem Tod befragte, habe er ihr mitgeteilt: "Das ist jetzt eine lange Geschichte ..." Es blieb ungeklärt, wer der angebliche Mörder war. Allerdings wurde viel über die Hingabe einer Frau zu ihrem verstorbenen Mann bekannt. Für sie war es "die große Liebe". Ihre Treue ist rührend. Und Jannes spürte angeblich: "Der ist sooo verliebt, der kriegt sich gar nicht mehr ein." Uwe sagte noch per Medium: "Mein Herz schlägt bis zum Hals. Ich liebe sie so sehr." Schleswig-Holsteins angefeindeter Generalstaatsanwalt Erhard Rex legte vor drei Jahren einen 63 Seiten umfassenden Bericht zu allen Verschwörungstheorien vor und schrieb: "Selbstmord ist 'langweilig' und Mord ist 'interessant'. Wer Geld verdienen will, tut gut daran, Mordthesen nach vorne zu stellen und einen Suizid herunterzuspielen oder auszublenden. Ein interessantes Verbrechen steigert die Auflage, erhöht die Fernsehquote, ein einfacher Selbstmord wirkt nicht verkaufsfördernd für die Auflagenhöhe eines Buches." Da ist das Kalkül von RTL wohl aufgegangen. Bizarr war es auf jeden Fall. Lars Langenau

Uwe Barschel, 1987 bei der spektakulären "Ehrenwort"-Pressekonferenz in Kiel.

Bild: dpa 14. Dezember 2010, 17:102010-12-14 17:10:00 © sueddeutsche.de/kaeb/kat