Deutschland verstehen

Schauspielerin Megan Fox und ihr Kollege Will Arnett sitzen auf dem Sofa - und scheinen sich doch halbwegs zu amüsieren. Das war erst im Oktober, in Erfurt. Etwas später aber gab Arnett im amerikanischen Fernsehen preis: "Sie wollten, dass ich einen Nervenzusammenbruch erleide." Wegen Megan Fox? Nein, wegen der "crazy" Deutschen - und weil er sich entscheiden musste, ob zwei Hundetrainer an den Biss-und Sabber-Spuren einer Frisbee-Scheibe erkennen können, welcher ihrer Hunde sie verursacht hat. Arnett gab zu verstehen, dass die Deutschen womöglich das unlustigste Volk der Erde seien - "und sie machen mir Angst". Man hatte prompt das Gefühl: Jetzt reicht es. Sowohl das Ding mit dem Sabber, als auch das Ding mit dem Wetten, dass..?-Bashing von Prominenten. Halle Berry, Tom Hanks, Hugh Jackman, Robbie Williams, James Blunt, Diane Keaton ... hat sich eigentlich irgendwer noch nicht über die crazy Germans und ihr Samstagshobby beschwert? Spätestens nach Arnetts Schlimme-Dinge-Abrechnung wäre man beinahe noch zum glühenden Wetten, dass..?-Fan geworden. Aus Protest. Ein bisschen aber auch aus Mitleid. Und vielleicht sogar aus Zuneigung. Denn dass es eine Show im deutschen Fernsehen gibt, 33 Jahre lang, die im Laufe ihrer Karriere vor mehr als drei Milliarden Menschen beweisen darf, dass wir ungeheuer einen an der Waffel haben, das ist dann doch: ein deutsches Wunder. Danke.

Bild: dpa 12. Dezember 2014, 10:332014-12-12 10:33:12 © SZ.de/cag/lala