Abschied von Reinhold Beckmann Aus der Talk

Reinhold Beckmann: "Ich werde sie in Erinnerung behalten", sagt er zum Abschied.

(Foto: dpa)

"Das war's." Reinhold Beckmann moderiert zum letzten Mal seine Talksendung im Ersten - und beweist, dass er genau zum richtigen Zeitpunkt aufhört. Herzlichen Glückwunsch.

Von Carolin Gasteiger

Es waren dann doch ein paar Abschiedssätze mehr, mit denen sich Reinhold Beckmann kurz nach Mitternacht von seinen Zuschauern verabschiedete. Da hatte er soeben zum letzten Mal nach 15 Jahren die nach ihm benannte Talksendung moderiert. Und mit "zwei, drei gepflegten Abschiedssätzen" wolle er diese beenden, hatte er seinen leisen Abgang in der SZ angekündigt.

Laut und mit viel Tamtam hätte auch nicht zu Reinhold Beckmann gepasst; gilt er doch als Versteher unter den deutschen Talkmastern. Als "Hineinfühler" tituliert ihn etwa Zeit Online zum Abschied.

Das kommt nicht von ungefähr: Wenn Beckmann mit eindringlichem Blick leicht vornüber gebeugt da sitzt und in seinen Moderationen weiter als nötig ausholt, gibt er den Seelenverwandten. Bisweilen hofiert er seine Gäste mit Demut, vorzugsweise die bekannten. Und wenn es sein muss, wechselt er bei der Anrede schnell vom Sie zum Du (siehe Boris Becker). Aber, das muss man ihm zugutehalten: Er hatte in - unter anderen - Harald Juhnke, Loriot, Angela Merkel, Murat Kurnaz, Tina Turner oder Karl Lagerfeld viele von den ganz Großen bei sich zu Gast. Zuletzt traf er im Mai dieses Jahres die schwedische Königin Silvia. Die Sendungen, in denen er sich auf einen oder zwei Gäste konzentrierte, waren seine besten.

Aus diesem Grund hätte es nicht weiter verwundert, wenn er zum Abschied mit einem besonderen Gast auf die letzten 15 Jahre zurückgeblickt hätte. Aber nein. Beckmann gibt sich bescheiden - und der Tagesaktualität verpflichtet. In den letzten Wochen ging es bei ihm bereits um die Krise in der Ukraine, den IS-Terror und Ebola. Alles Themen, die auch Anne Will, Frank Plasberg oder Günther Jauch behandelten. Auch das Thema am Donnerstagabend widmet sich einer Krise; es lautet "Menschen auf der Flucht - letzte Rettung Europa?".

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Beckmann schafft den rechtzeitigen Absprung - und ist ja nicht ganz weg

Die Gäste, darunter Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall und Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl sowie ein ehemaliger syrischer Flüchtling, diskutieren fundiert und angeregt. Beckmann muss kaum eingreifen ("Verstanden, verstanden"). Allerdings ist die Diskussion an sich austauschbar. Sätze wie "Die deutsche Politik treibt die Flüchtlinge aufs offene Meer" oder "Ein Paradigmenwechsel braucht Zeit" könnten genau so bei Maybrit Illner fallen. Übrigens nicht unwahrscheinlich, wie ein Blick ins Programmheft zeigt: Beckmanns ZDF-Kollegin hat sich für ihre Sendung am Donnerstagabend dasselbe Talkthema ausgesucht: "Millionen auf der Flucht - und wer darf nach Deutschland?" Das Leiden des deutschen Talkfernsehens. Den Rückblick erledigt ein Best-of im Anschluss.

Mehr wäre vielleicht auch übertrieben gewesen. Schließlich verschwindet Reinhold Beckmann ja nicht völlig von der Bildfläche. Im Sportfernsehen, wo er herkommt und was er am besten kann, wird er künftig zu sehen sein. Und er soll ein eigenes Reportageformat, #Beckmann, bekommen, in dem er sich politischen und wirtschaftlichen Themen widmen will. Mit einer Doku über Fußball-WM-Gastgeberland Brasilien hat er bereits bewiesen, dass ihm das steht.

"Eine letzte Sendung ohne zu viel Selbstbespiegelung"

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Besser jedenfalls als der Talk, der sich, wie Forscher immer wieder betonen (etwa in dieser Studie), im deutschen Fernsehen längst überholt hat. "Deutschland ist durchgecastet", konstatierte ein Medienwissenschaftler vor wenigen Jahren auf SZ.de. Deutschland ist durchgetalkt, dürfte ebenso zutreffen.

Aus diesem Grund muss man Reinhold Beckmann beglückwünschen. Mit seinem Entschluss, die gleichnamige Talksendung zu beenden, hat er rechtzeitig den Absprung geschafft.

"Das war's, nach 15 Jahren und vielen vielen Sendungen möchte ich mich zum letzte Mal von diesem Tisch verabschieden", sagt Beckmann zum Abschied. Er habe in der Show eine Menge dazu gelernt und empfinde nun doch etwas Wehmut, gibt der 58-Jährige zu und bedankt sich bei seinem Team, den Zuschauern ("Ich werde sie in Erinnerung behalten"), aber vor allem bei seinen Gästen. Als die letzten fünf bei "Beckmann" abschließend applaudieren, wirkt der Moderator doch ein wenig gerührt.