Süddeutsche Zeitung

Abschied von der "Daily Show":Jon Stewarts Zen-Moment

Mit dem Abschied Jon Stewarts geht in der "Daily Show" eine Ära zu Ende. In seiner letzten Sendung setzen ihm Kollegen und Fans ein Denkmal.

Von Carolin Gasteiger

Besser hätte es nicht passen können. Die TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten endete, kurz bevor Jon Stewart zum letzten Mal sein Publikum begrüßte. "Willkommen in der Daily Show. Ich bin Jon Stewart. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind."

Aber schnell wurde klar, dass es hier nicht um den US-Wahlkampf geht, sondern um etwas viel Persönlicheres. Um Jon Stewart. Der verabschiedete sich am Donnerstagabend (hier die Sendung im Video) nach mehr als 16 Jahren aus der Show, in der er "der institutionalisierte Menschenverstand im Wahnsinn des ideologisierten Nachrichten- und Meinungszirkus" im US-Fernsehen war. Bissig kommentierte er das aktuelle Geschehen sowie politische Entwicklungen und legte stets den Finger in die Wunde. Für viele wurde er Idol und Inspiration zugleich. Als Stewart im Februar seinen Rückzug verkündete, saß der Schock tief.

Wie sehr Fans und Kollegen Stewart schätzen, zeigten die vielen berührenden Momente der Abschiedssendung. Etwa, als nicht nur alle amtierenden Mitarbeiter Stewarts, sondern auch viele der ehemaligen Co-Stars auftraten. Darunter etwa die Schauspieler Steve Carrell, Ed Helms und John Oliver. Und als Farewell-Ständchen spielte Bruce Springsteen seinen Hit "Born to run". Scheinbar passend für Stewart.

Der bewegendste Moment der Sendung war der Auftritt von Stephen Colbert. Der US-Komiker war bis 2005 mit Stewarts in der "Daily Show" zu sehen. "Du bist zum Verzweifeln gut in deinem Job", sagte Colbert über Stewart, und er hätte vielen gezeigt, wie man diesen Job richtig macht. Da versuchte ein peinlich berührter Jon Stewart schon verzweifelt, auf seinem Schreibtischstuhl vor dem Lob wegzurollen: "Du bist ein großartiger Künstler und ein toller Mann", lobte Colbert. Das lässt selbst einen Medienprofi wie Stewart nicht kalt, zuletzt war er zu Tränen gerührt. Aber sehen Sie selbst:

Welche Bedeutung Jon Stewart für viele seiner Anhänger hatte, verdeutlicht ein Blick ins Netz. Unter dem Hashtag #JonVoyage ist die Trauer nach Stewarts Abschied groß:

Stewart selbst verabschiedete sich übrigens nicht mit einem "Goodbye". Er würde sich erst mal einen Drink genehmigen und den einen oder anderen sicherlich noch sehen, bevor er gehe.

"Das ist er nun also. Mein Zen-Moment." Mit diesen Worten geht die Ära Jon Stewart in der Daily Show nach 16 Jahren zu Ende. Bald wird Trevor Noah übernehmen (der in der Abschiedssendung schon mal vorsorglich seinen Schreibtisch vermaß). Aber vorher gibt es noch eine letzte Gruppenumarmumg mit dem Team.

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