Abschied Der Mann an seiner Seite

Immer im Dienst: Michael Ande als Polizeikommissar Gerd Heymann.

(Foto: Jacqueline Krause-Burberg/ZDF)

Michael Ande spielt seit 1977 in "Der Alte" und ist damit der dienstälteste deutsche Fernsehkommissar. Jetzt geht er in Rente.

Von Benedikt Frank

Polizeikommissar Gerd Heymann hat genug von der Geheimniskrämerei seiner Kollegen: "Ich weiß, ihr bereitet was vor, aber ich will das nicht, keine Feier, keine Reden, keine goldene Uhr." Vermutlich ist Heymann ein wenig nervös, es sind schließlich seine letzten Tage vor dem Ruhestand. Am 11. April 1977 trat er seinen Dienst an und löste seitdem für die fiktive Münchner Mordkommission II in der ZDF-Serie Der Alte Kriminalfälle. 39 Jahre lang spielte Michael Ande die Figur Gerd Heymann. An diesem Freitag gehen sie beide in Rente.

Der dienstälteste Kommissar des deutschen Fernsehens war zunächst Assistent an der Seite von Siegfried Lowitz, der den Alten von 1977 bis zu einer tödlichen Schussverletzung des Kriminalhauptkommissars Erwin Köster im Jahr 1986 spielte. "Eigentlich brauch' ich keinen Assistenten", soll der alte Lowitz über den jungen Ande gesagt haben. Krimi-Produzent Helmut Ringelmann (Derrick) wusste es offenbar besser. 40 Jahre Fernsehgeschichte haben ihm längst recht gegeben.

Am Anfang trug Gerd Heymann lockiges Haar, er erschien in Schwarz-Weiß auf den Bildschirmen und ermittelte noch für einige Jahre ohne die Konkurrenz der privaten Sender. Als diese dann mit ihren eigenen viel knalligeren Krimiserien aufkreuzten, wurde auch Der Alte etwas lockerer. Nur für Michael Ande änderte sich in all den Jahren zu wenig. Er sah nach Lowitz' Abgang Rolf Schimpf als neuen Hauptkommissar kommen und nach 21 Dienstjahren wieder gehen, er begleitete dessen Nachfolger Walter Kreye vier Jahre lang. Erst nachdem die Hauptrolle ein weiteres Mal neu vergeben wurde, seit 2012 spielt Jan-Gregor Kemp den Chef, machte man seinen Charakter Gerd Heymann endlich zum Hauptkommissar.

Gemessen an den Lebensjahren hätte Michael Ande spätestens da die Titelrolle zugestanden, schließlich heißt die Serie Der Alte, und Ande ist Kemp in dieser Hinsicht um etwa 20 Jahre voraus. Doch der Schauspieler stand nie in der ersten Reihe. Er spielte weiter den besonnenen und verlässlichen Partner, der dem Vorgesetzten den Rücken freihält.

Auch wenn die Serie in all den Jahren immer wieder neue Gesichter verpasst bekam - Michael Ande durfte bleiben. Vielleicht lag das auch daran, dass der Kommissar sich als vorbildlicher Beamter kaum Fehlzeiten leistete: An diesem Freitag wird Michael Ande zum 401. Mal mitspielen, bei nur zwei Folgen war er abwesend.

Michael Ande ist wie seine Figur immer im Hintergrund geblieben, auch zu seinem Abschied mag er Fragen nur per E-Mail beantworten. Eine Beförderung, schreibt er, sei dem Krimi-Ermittler Heymann nie in den Sinn gekommen. "Und mir ehrlich gesagt auch nicht."

Der Alte - Paradiesvogel, 20.15 Uhr, ZDF.