bedeckt München 18°
vgwortpixel

Berlin am 1. Mai:Abdelkarim: Der Angriff war nicht inszeniert

Der 38-Jährige aus Bielefeld, der sich nur Abdelkarim nennt, bedankte sich am Samstag auf Twitter für die "große Anteilnahme": "Nach Einschätzung eines Sicherheitsmannes hatten wir Glück im Unglück. Das Ganze hätte auch viel tragischer enden können." Er selbst habe von allen das größte Glück gehabt und sei unverletzt, schrieb er. Vier seiner Kollegen mussten allerdings ins Krankenhaus gebracht werden. Später schickte er noch einen klärenden Tweet hinterher, da es offenbar auch Spekulationen darum gab: "Der Angriff war nicht inszeniert. Ist zwar grad in Mode, aber man muss nicht auf alles mit einer Verschwörungstheorie reagieren."

Alle Festgenommenen sind inzwischen wieder auf freien Fuß gekommen. Es sei kein Haftbefehl erlassen worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin am Abend mit. Für einen Haftbefehl sind neben dem dringenden Tatverdacht auch Haftgründe Voraussetzung.

Die Polizei geht davon aus, dass die Täter aus politischen Motiven handelten. Der zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei ermittelt. Ob die Verdächtigen zur rechten Szene, dem linken Schwarzen Block oder einem noch anderen politischen Lager gehören, stand bis zum späten Samstagnachmittag nicht fest. Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik sagte im RBB-Inforadio. "Das war ein durchaus wirklich feiger Angriff." Auch Politiker wie CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak und die grüne Fraktionschefin Katrin Göring Eckhardt äußerten ihre Abscheu. Außenminister Heiko Maas (SPD) twitterte: "Wir stehen an Eurer Seite! Lasst Euch Euren Humor und Eure Leidenschaft nicht nehmen von feigen Gewalttätern." Innensenator Geisel betonte: "Egal, ob rechts, links oder sonstwie motiviert, Gewalt gegen Medienvertreter ist durch nichts zu rechtfertigen."

"Gefahr für die freie Berichterstattung"

Während manche AfD-Politiker die Tat dann zum Angriff auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen nutzten und es auf AfD-Seiten weite Zustimmung und Häme zu lesen war, sagte ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler: "Die Pressefreiheit ist - gerade in diesen Tagen - ein hohes Gut. Unsere Sorge gilt nun jedoch zuallererst den Teammitgliedern und ihrer Gesundheit." Auch Journalisten-Verbände verurteilten den Angriff. "Das war ein feiger und durch nichts zu rechtfertigender Überfall auf Journalisten, die ihrer Aufgabe der Berichterstattung nachgekommen sind", sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall. Er hoffe, dass die Attacke gründlich aufgeklärt werde und die Täter juristisch zur Verantwortung gezogen würden. Dem pflichtete auch die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) bei.

Immer wieder sei in der zurückliegenden Zeit, vor allem von rechts, versucht worden, mit Gewalt und Androhung von Gewalt Berichterstattung zu verhindern, sagte dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Berger. "Wir haben es mit einer veritablen Gefahr für die freie Berichterstattung zu tun, wenn Kolleginnen und Kollegen bei ihrer journalistischen Arbeit Angst um sich und ihre Familien haben müssen. Das ist ein Alarmsignal auch für die politisch Verantwortlichen", erklärte Berger.

© SZ.de/lala/fued
Anja Reschke

SZ Plus
Anja Reschke über Pressefreiheit
:"Wir müssen uns jetzt wehren"

Sind die Medien in der Corona-Krise zu unkritisch? Ein Gespräch mit der Journalistin und Publizistin Anja Reschke über Verantwortung, Erregungsjournalismus und das Verhältnis von Presse und Politik.

Interview von Sara Maria Behbehani und Anika Blatz

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite