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50 Jahre "Dinner for one":Leopard statt Tigerschädel

"Cheerio, Miss Sophie": Nach 50 Jahren könnte man meinen, "Dinner for one" in- und auswendig zu kennen. Nicht ganz. Die sechs letzten Geheimnisse eines Silvester-Klassikers.

Von Stefan Mayr

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James Miss Sophie Dinner for one NDR

Quelle: NDR

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"Cheerio, Miss Sophie": Nach 50 Jahren könnte man meinen, "Dinner for one" in- und auswendig zu kennen. Nicht ganz. Die sechs letzten Geheimnisse eines Silvester-Klassikers. Von Stefan Mayr

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Was man sieht: Conferencier Heinz Piper, very british gekleidet, spricht in prächtigstem Oxford-English

Wie es wirklich war: Piper sagte damals tatsächlich "Same procedure than every year" - und provozierte damit Jahr für Jahr Hunderte Protestbriefe verzweifelter Englisch-Lehrer. Bis die Techniker des NDR ein Einsehen hatten und den Versprecher nachträglich korrigierten. Seitdem stimmt der Satz: "Same procedure as every year." Aber wer halbwegs genau hinsieht, erkennt deutlich die Unterschiede zwischen Ton und Bild.

Vorsatz fürs neue Jahr: Einmal pro Woche Grammatik wiederholen.

James Miss Sophie Dinner for one NDR

Quelle: dpa

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Stolpern

Was man sieht: Ein prächtiges Tigerfell, das seit Ewigkeiten im Weg herumliegt.

Wie es wirklich war: In der Urversion des Sketches war das Stolpern gar nicht vorgesehen. Erst Freddie Frinton baute das Hindernis als Leitmotiv ein. Für die Dreharbeiten in Hamburg hatte die Requisite ein Eisbärfell organisiert, Frinton brachte aber sein eigenes Tigerfell mit, mit dem er das Dinner jahrzehntelang zelebrierte. Im Sketch stolpert er elfmal über den Tigerschädel. Irgendwann war der Hinterkopf so verschlissen, dass Frinton ein Leopardenfell über die Stelle nähen ließ.

Vorsatz fürs neue Jahr: Heuer wird die tote Katze wirklich aufgeräumt.

James Miss Sophie Dinner for one NDR

Quelle: MDR/Telepool Zürich

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Gymnastik

Was man sieht: Miss Sophie wird beinahe aus ihrem Stuhl katapultiert. Und Admiral von Schneider zieht es beim misslungenen Hackenschlag fast die Jacke aus.

Wie es wirklich ist: Kurz vor der Schleudersitz-Szene bereitet sich May Warden aufwendig auf die Artistik-Nummer vor: Sobald Mister Winterbottom rülpst, rückt sie ihren Hintern und Oberkörper zurecht und klammert beide Hände an die Stuhllehnen. Und der Admiral hilft kurz nach dem Beinahe-Sturz mit der linken Hand nach, damit sein Sakko derangiert aussieht.

Vorsatz fürs neue Jahr: Tägliche Morgen-Gymnastik hält Geist und Körper beweglich.

James Miss Sophie Dinner for one NDR

Quelle: NDR/Annemarie Aldag

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Lachkrampfen

Was man hört: Ein sympathisches und mitreißendes Lachen, das noch viel schneller als der Butler, komplett enthemmt ist.

Wie es wirklich war: Der Aufnahmeleiter wollte die kreischende Zuschauerin Sonja Göth mitsamt ihrem Lachkrampf aus dem Publikum werfen: "Reißen Sie sich bitte zusammen, sonst müssen Sie das Studio verlassen", ermahnte er sie. "Aber ich ließ mir den Spaß nicht verderben", berichtet die NDR-Telefonistin und Ehefrau des Oberbeleuchters Viktor Göth. Heute gehört ihre Stimme zum Dinner for One wie der Das-ist-Spitze-Sprung zu Dalli Dalli.

Vorsatz fürs neue Jahr: Nicht bei jedem Lacher gleich in den Keller rennen.

James Miss Sophie Dinner for one NDR

Quelle: NDR/Annemarie Aldag

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Was man sieht: Zahlreiche Farb-Versionen mit dialektsprechenden Darstellern - und die Schwarz-Weiß-Aufnahme des Schweizer Fernsehens mit den Original-Schauspielern.

Wie es wirklich ist: Unter den diversen Landesanstalten der ARD tobt offenbar ein Wettkampf um den miserabelsten Abklatsch des Original-Dinners. Wer braucht bitte eine hessische plus eine nord-hessische Variante? Grundsätzlich gilt: Nur anschauen, wenn man sich ohne Probleme über Menschen amüsieren kann, die sich der Lächerlichkeit preisgeben.

Vorsatz fürs neue Jahr: Finger weg von Klassiker-Remakes.

James Miss Sophie Dinner for one NDR

Quelle: NDR/Annemarie Aldag

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Verschütten

Was man sieht: Im Endspurt kippt James zwei Becher um, einmal mit der Hand, einmal mit einem Schwall "Portwein".

Wie es wirklich war: Nur beim zweiten Mal ist das Verschütten geplant, beim ersten Mal passiert es aus Versehen. Wenn der Butler nach langem Vor-sich-hin-Starren ruckartig einschenkt und der Becher umkippt, erschrecken beide Schauspieler: Sie zieht eine Grimasse, ihm entweicht ein Lächeln. Wenig später verschüttet James den Wein und wischt ihn in den Becher zurück. Dabei bleibt die Tischdecke weiß - es ist also kein Port, sondern pures Wasser.

Vorsatz fürs neue Jahr: Wasser statt Wein, das lass sein.

© SZ vom 31. Dezember 2013/cag
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