50 Jahre ARD-Sportschau:"Die Rolle der Made im Aufstiegsapfel"

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Und Günter Netzer sagt, er als Fußballer habe immer besonders die Berichte über Turner und Läufer mit großem Interesse verfolgt, also über Athleten, die sich mehr reinhängen mussten als die Fußballer, unter denen ja Netzer einer war, der sich mit dem Reinhängen extrem zurückhielt.

Fußballrechte sind teuer; inzwischen fällt vieles, was nicht Fußball ist, aus dem Programm heraus: Die Sportschau ist monothematischer geworden - bei den Tageszeitungen ist das nicht sehr anders.

Aber man kann der Sportschau zugutehalten, dass sie - seit die Bundesliga aus ihrem Exil im Billigfernsehen zu den Öffentlich-Rechtlichen zurückgekommen ist - den Fußball nicht viel wichtiger nimmt, als er ist.

Gelegentlich wird zwar auch in der ARD der eine oder andere Kommentator derart mitgerissen, dass man merkt: Jeder Mann stammt vom Brüllaffen ab. Aber verglichen mit dem Fußball bei den Privaten oder im Fernsehen anderer Länder suchen sie bei der Sportschau die verträgliche Mitte.

Die Deutsche Fußball-Liga sähe es lieber, wenn die Berichte nach 20 Uhr kämen, es geht ums Geld, aber die Sportschau will wie bisher um 18 Uhr senden. Sie ist ein Klassiker, sie weiß, was sie den Leuten schuldig ist.

Gerhard Delling wird weiter fragwürdige Wortspiele in seine Moderationen einbauen, aber erstens trägt er inzwischen eine bessere Frisur, und zweitens bietet der schöne Rückblick auch die relativierende Gelegenheit, Hans-Joachim Rauschenbach zuzusehen, dem Meister des schiefen Bildes.

Das Topspiel der zweiten Liga Nord moderierte er an wie folgt: "Vielleicht hat die Mannschaft aus Solingen Spaß daran gefunden, im Aufstiegsapfel der Essener die Rolle der Made zu spielen."

Vieles war früher besser, manches nicht.

50 Jahre Sportschau, ARD, Samstag, 18 Uhr.

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