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50. Folge "Radio-Tatort":Zu starre Konzepte

Diese Konstellation liegt den meisten Einsatzorten des Radio-Tatorts zugrunde: Privatleben sowie Mit- und Gegeneinander der Kommissare nehmen breiten Raum ein in den jeweils knapp einstündigen Hörspielen, jedoch treten diese Teile der Handlungen über Episoden hinweg auf der Stelle. Beim SWR arbeitet das Duo Brändle/Finkbeiner an der Aussöhnung des Badischen mit dem Schwäbischen, ohne dabei recht vom Fleck zu kommen.

Im Saarland macht der Einheimische Paquet die Zugezogenen Krämer mit den lokalen Gepflogenheiten vertraut, auch das ist ein endloses Unterfangen. Die Ermittlungen von Bettina Breuer (NDR) wiederum entwickeln sich immer prompt so, dass ein von ihr nicht sonderlich geschätzter Jazz-Musiker zu ihrer Unterstützung als V-Mann eingesetzt wird.

Starre Konzepte sind das, die schnell auch in eine Erstarrung führen können, wenn die Autoren und Regisseure sich ihrer nicht auf originelle Weise bedienen oder wenn die eigentliche Krimihandlung zum bloßen Vehikel für persönliches Geplänkel verkommt.

Aber auch die guten und sehr guten Radio-Tatorte tragen bei zu einer formalen Verengung: Das Format ermöglicht es kaum, einen Krimi von den Tätern her zu erzählen oder von den Opfern. Sondern vorwiegend aus der Perspektive der Polizei, weil eine Reihe wie diese Serienhelden benötigt und dafür eigentlich nur Ermittler in Betracht kommen.

Nicht nur das Konventionelle, auch das Abseitige beleuchten

Zweifelsohne stärkt der Radio-Tatort die Form der Original-Hörspiele; Stoffe also, die explizit für den Hörfunk geschrieben werden. Denn adaptiert wird speziell bei den Krimis viel und gerne: Donna Leon, Andrea Camilleri, Patricia Highsmith - was sich auf dem Buchmarkt gut verkauft, wird von den Redaktionen seit jeher auch als tauglich fürs Radio befunden. Neben der Vertonung aktueller Bestseller etwa von Stieg Larsson und Martin Walker ermöglichen die Sender dadurch aber auch Wiederentdeckungen: Der SWR hat gerade zum zweiten Mal einen historischen Krimi Robert van Guliks produziert, Mord in Kanton.

Experimente sind rar, auch im Radio sind Krimis ein unterhaltendes Genre, ein eher gefälliges. Systemstabilisierendes ist stärker gefragt als Verstörendes - sowohl bei der Frage was als auch wie erzählt wird. Der Radio-Tatort hat den Krimihörspielen eine neue Aufmerksamkeit beschert. Was noch fehlt, ist, dass im Schatten dieser inzwischen bewährten Qualität des überwiegend Konventionellen auch das Abseitige, das Überraschende stärker gedeiht.