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50. Folge "Radio-Tatort":Kommissare, die Gefühle für einander hegen

Ein Gegen- und Miteinander: In den knapp einstündigen Hörspielen des "Radio-Tatort" nimmt das Privatleben der Ermittler mehr Raum ein als in den TV-Tatort-Versionen. Das Format ist beliebt, aber es braucht dringend neue Impulse, um relevant zu bleiben.

Wieder der WDR also: Der erste ARD-Radio-Tatort, gesendet im Januar 2008, kam vom Rhein, er trägt den Titel "Der Emir". Und auch den aktuellen, 50. Fall hat der WDR produziert. "Noch nicht mal Mord" ist von diesem Mittwoch an reihum in den Kulturwellen aller sieben ARD-Anstalten zu hören, im Anschluss steht der Krimi vier Wochen als Stream und Download im Netz auf www.radiotatort.ard.de, dort sind auch die einzelnen Ausstrahlungstermine aufgeführt.

RADIO TATORT

Schwäbisch-badische Konstellation: Die Schauspieler Karoline Eichhorn und Ueli Jäggi sprechen die Rollen der Radioermittler Brändle und Finkbeiner.

(Foto: SWR/Monika Maier)

Insbesondere an Tatorten des WDR lässt sich deutlich machen, was in dieser Reihe alles möglich ist (und gegebenenfalls auch schiefgehen kann). Außerdem zeigt die Jubiläums-Konstellation, wie schwierig es offenbar ist, gute Bücher zu entwickeln. Eigentlich sollte der WDR-Krimi bereits der 51. Radio-Tatort sein. Doch der SWR, der die Reihe koordiniert, hat im Januar keinen eigenen neuen Krimi geliefert. Der Sender machte bei beiden Geschichten, die für eine Realisierung zur Wahl standen, inhaltliche Mängel geltend, die nicht zu beheben gewesen seien in der verfügbaren Zeit.

Daran lässt sich der Anspruch ablesen, für den Radio-Tatort keine Krimi-Durchschnittsware zu produzieren. Allerdings ist unter diesem Label bereits eine ganze Menge Durchschnitt gesendet worden. Den Rückzieher des SWR muss man eher so verstehen, dass die fraglichen Bücher nicht schwächer waren als selbst die schwachen Fälle der letzten vier Jahre. Sondern dass es ein starkes Bewusstsein gibt dafür, dass es eine neue Anstrengung braucht, damit die Reihe relevant und attraktiv bleibt.

Der agilste Sender bei diesem Projekt ist der WDR. Er hat vor allem mit seinen ersten Fällen gezeigt, dass das Format auch thrillertauglich ist. Die Hauptfigur Nadir Taraki entwickelt sich außerdem von Hörspiel zu Hörspiel: Taraki verlässt seine Freundin, infiziert sich mit HIV, sein Aufgabengebiet wechselt. Das alles hat so starke Auswirkungen auf die Psyche, auf den Charakter der Figur, dass sie Anfang 2010 sogar umbesetzt wurde, um diese Veränderungen auch hörbar zu machen.

Uwe Ochsenknecht in Gastrolle

Baki Davrak hat die Rolle nach vier Einsätzen an Mark Waschke abgetreten. Nicht alle diese Krimis sind im Studio aufgenommen worden, sondern einige stattdessen an realen Schauplätzen. Viele Ideen in den Taraki-Krimis funktionieren gut, einige gar nicht. Ein besonderes Wagnis ist der aktuelle Fall. In "Noch nicht mal Mord" verschmilzt der WDR seinen Radio-Tatort mit der Task Force Hamm. In der Task Force hat der WDR eine Versagertruppe etabliert, da ist der Klamauk wichtiger als der Krimi.

Taraki rückt an den Rand der Geschichte, sein Kollege Lenz wird zwangsversetzt nach Hamm, wo er gemeinsam mit seinem neuen Vorgesetzten (in einer Gastrolle: Uwe Ochsenknecht) eine Provinzposse dirigiert und dabei hilft, den WDR- Tatorten ihre bisherige Härte und ihr Faible für die organisierte Kriminalität gehörig auszutreiben.

Fürs Komische war bislang vor allem der BR zuständig. Im fiktiven Bruck am Inn, einem kuriosen prototypisch bayerischen Milieu, lösen zwei Streifenbeamte nebenbei Mordfälle. In der Hauptsache unternehmen Rudi Egger (Florian Karlheim) und Senta Pollinger (Brigitte Hobmeier) alles Erdenkliche, um sich ihre Gefühle füreinander nicht eingestehen zu müssen.