"4 Blocks" auf TNT Serie:Wer der Gute ist, lässt sich auch daran erkennen, ob die jeweilige Ehefrau ein Kopftuch trägt

Ramadan und Lau wiederum sind auch im echten Leben befreundet. "Freddy spielt nicht gern Polizisten", sagte Ramadan vor anderthalb Jahren in einem Interview. Das hat sich - Achtung, Spoiler! - in der Zwischenzeit offenbar geändert.

Fast wäre 4 Blocks ein ganzes Stück konventioneller geworden. Ursprünglich sollte sich die Handlung eher an die Polizisten heften, die den Hamadys auf den Fersen sind. TNT-Produzentin Anke Greifeneder fand den Blick aus der anderen Richtung aber interessanter. Gutes Gespür für Geschichten hat sie schon bewiesen: Für die ersten beiden Eigenproduktionen des Senders, Add a Friend und Weinberg, hat sie bereits zwei Grimme-Preise gewonnen.

Möglich, dass sie für 4 Blocks noch einen dritten bekommt. Der Sender ist von dieser Geschichte jedenfalls so überzeugt, dass eine zweite Staffel bereits in Planung ist, noch vor der Ausstrahlung der ersten.

Dabei kommt die Serie, die wie auch Schweighöfers You are Wanted von den Autoren Hanno Hackfort, Bob Konrad und Richard Kropf geschrieben wurde, nicht ganz ohne Klischees aus. Ständig trifft sich jemand im Stripklub oder im Pornokino, die Kleinganoven tragen Trainingsjacken und die großen gut sitzende Anzüge, und wer unter den Clan-Mitgliedern der Gute ist, lässt sich jedenfalls in den zwei Folgen, die die Presse vorab zu sehen bekam, auch daran erkennen, ob die jeweilige Ehefrau ein Kopftuch trägt oder nicht.

Trotzdem haben sich der Sender und die Produzenten ein großes Paket Baklava verdient. Gar nicht mal, weil 4 Blocks besser ist als vieles, das man sonst im deutschen Fernsehen zu sehen bekommt. Das stimmt zwar, auch wenn nicht damit zu rechnen ist, dass in den USA demnächst jemand nach einem "amerikanischen 4 Blocks" fragen wird.

Die einzigen Rassisten, die hier vorkommen, arbeiten bei der Berliner Polizei

Sondern für den Mut, ein Prestigeprojekt mal nicht in der deutschen Vergangenheit spielen zu lassen. In einem Setting also, in dem man Männer in SS- oder Stasi-Uniformen stecken und Frauen die Haare in Wasserwellen legen kann - immer in der Hoffnung, dass Nazis, die Berliner Mauer und Kniebundhosen sich im Ausland, wo Ruhm und Lizenzgelder locken, besser verkaufen könnten als irgendetwas, das das Jahr 2017 betrifft.

4 Blocks dagegen spielt im Hier und Jetzt, die einzigen Rassisten, die in der Serie vorkommen, arbeiten bei der Berliner Polizei. Bei der Berlinale sei das Interesse aus dem Ausland riesig gewesen, sagen die Produzenten.

4 Blocks, abrufbar bei Joyn*, Apple iTunes*, Amazon* und Google Play Movies*

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© SZ vom 08.05.2017
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