22. Januar 2015, 18:35 TV-Seifenoper "Dahoam is Dahoam" Söder versteht die Aufregung nicht

Bayerns Heimatminister Söder bekommt in der BR-Soap "Dahoam is Dahoam" einen exklusiven Auftritt. Im Sender heißt es, das sei kein Problem, sondern Konzept. Der Minister selbst findet: "800 000 Zuschauer - dafür müssen Sie 800 Bierzelte füllen."

Von Claudia Fromme und Frank Müller

Dass es praktisch keinen besseren Darsteller des bayerischen Finanzministers Markus Söder gibt als Markus Söder selbst, gehört schon länger zu den zentralen Erkenntnissen der bayerischen Landespolitik. Wie gut Söder den Söder geben kann, wenn man ihn lässt, zeigte jetzt das Bayerische Fernsehen.

In dessen gefühliger Heimatserie Dahoam is Dahoam durfte der CSU-Mann am Dienstagabend nicht nur mitspielen, sondern sich auch genau so in Szene setzen, wie man es von ihm kennt: als freundlicher Kümmerer, der rastlos an der Verbesserung der ohnehin schon großartigen Lebensbedingungen der Bürger im schönen Freistaat arbeitet. Und dann durfte er am selben Tag auch noch in der Abendschau seine Gastrolle kommentieren. Die Opposition in Bayern ist empört ob der freundlichen Söder-Hilfe durch den BR.

Markus Söder "Das ist dreistestes Politiker-Placement"
BR-Soap "Dahoam is Dahoam" mit Markus Söder

"Das ist dreistestes Politiker-Placement"

Er habe nur die Wahrheit gesagt, verteidigt Bayerns Heimatminister Markus Söder seine Gastrolle in der BR-Soap "Dahoam is Dahoam". Für die Grünen ist es damit nicht getan. Sie fordern vom Sender eine Stellungnahme - und der reagiert prompt.

Die läuft in der Serienfolge so ab, dass Söder mit seinem Ministerauto im Straßengraben liegen bleibt, aber dringend zu einem Empfang muss. Die hilfsbereite Vroni Brunner, die sich später als Bürgermeisterin entpuppt, nimmt ihn in ihrem roten Lieferwagen mit. Söder steigt ein, nicht ohne hervorzuheben, dass Rot nicht seine liebste Farbe sei. Dann entspinnt sich der Dialog, den sich Söder auch selbst auf die Lippen hätte schreiben können (siehe Kasten). Vroni provoziert ihn, warum "ihr Politiker unbedingt immer so übertrieben und so geschwollen daherreden müsst's", und fragt ihn ohne richtig erkennbaren Anlass, was die Politik eigentlich gegen die Abwanderung der Bevölkerung aus dem flachen Land unternehme. Das Thema ist Söders ureigenstes, seitdem er im bayerischen Kabinett vor einem Jahr zusätzlich noch den Posten des "Heimatministers" übernahm.

So nimmt der Film-Söder den Ball genauso auf, wie es der echte Söder ständig als Regierungsmitglied tut: "Da machen wir 'ne ganze Menge", södert er, "mehr als jedes andere Bundesland. Bayern ist in der Beziehung Vorbild in ganz Deutschland." Solche Sätze gehören auch in der realen Regierungspolitik Bayerns zum permanenten Drehbuch. Dem echten Minister gefiel das Ergebnis so gut, dass er im Internet gleich ein Bild twitterte, auf dem er mit einem Lebkuchenherz mit dem Serientitel Dahoam is Dahoam zu sehen ist - samt Twitter-Hashtag #SoederTVTipp.

Anderswo löst das Söder-TV weniger Begeisterung aus. "Das ist dreistestes Politiker-Placement", sagt der Grünen-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann. Er will das Thema in den BR-Rundfunkrat bringen, der Vorsitzende Lorenz Wolf erklärte am Donnerstag, dass er die Causa Söder in der nächsten Sitzung am 5. Februar aufgreifen werde. "Die Aufzählung der vermeintlichen Glanzleistungen der CSU-Staatsregierung hat in dieser Serie nichts verloren - und steht auch in keinerlei Zusammenhang mit Inhalt und Handlung", sagt Hartmann. "Ich kann nicht verstehen, wie sich der Bayerische Rundfunk hierzu herablassen konnte."

Es ist nun keine Seltenheit, dass Politiker in TV-Serien auftreten. Christian Ude (SPD) war als Münchner Oberbürgermeister in der Lindenstraße, dem Polizeiruf, bei der Soko 5113. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog (CDU) ließ 1996 einen Ruck durch den Vorabend gehen, als er in der Seifenoper Marienhof sich selbst spielte. Gerhard Schröder (SPD), ähnlich medial interessiert wie Markus Söder, wirkte als niedersächsischer Ministerpräsident in Gute Zeiten, schlechte Zeiten mit. 40 Sekunden trat er da auf, sagte einen belanglosen Satz im Restaurant Fasan.

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Aber auf die Idee, den CSU-Heimatminister minutenlang in einer Heimatserie über seine Verdienste zur Heimat reden zu lassen, muss man erst einmal kommen.

Natürlich würde man dazu gerne den Intendanten befragen, Ulrich Wilhelm, CSU- Mitglied und ehemals Merkels Regierungssprecher. Der aber hat so schrecklich viel zu tun, dass er sich nicht auch noch um Parteifreund Söder kümmern kann, der zudem eine Ausbildung beim BR gemacht hat. Die Fernsehdirektorin Bettina Reitz muss also sprechen. Natürlich sei nicht Söder auf die Redaktion zugekommen. Lange schon habe es die Idee im Autorenteam gegeben, sagt Reitz, "fiktive Geschichten aus der Realität" einzubauen, mit echten Politikern, auch, weil es in der Serie ja politisch engagierte Menschen gebe, wie eben jene Vroni Brunner. Schon im Frühjahr 2014 habe der BR Söder gefragt. Und wer hat den Text geschrieben, der klingt wie aus der Pressestelle der Staatsregierung? Der Text sei vom Autorenteam gekommen, Söder - wie er es ja selbst gesagt habe - habe sich die Rolle dann noch "mundgerecht" gemacht.

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Man sieht beim BR sogar ein Stück Aufklärung in Söders Auftritt. Es gehe auch darum, "die da oben" mit den Realitäten einer Bürgermeisterin wie Vroni Brunner zu konfrontieren. Die sei doch skeptisch und überdies parteilos. Und natürlich könne man keinen Politiker dazu bringen, zu sagen: Mir ist alles missglückt. "Eine Aktion im täglichen fiktionalen Erzählen darf man auch nicht überbewerten", sagt Bettina Reitz. Am nächsten Tag laufe die nächste Folge. Man solle da nichts hineingeheimnissen. Ulrich Wilhelm sei ein kritischer Geist und hervorragender Journalist, der für gute Inhalte kämpfe und sich niemals derart in das fiktionale Programm einmischen würde.

Das Konzept habe immer darin bestanden, Politiker verschiedener Parteien zu fragen, ob sie mitspielen wollen. Um Ausgewogenheit zu gewährleisten, seien auch Gastauftritte anderer Politiker geplant: Christian Ude habe schon zugesagt, Claudia Roth von den Grünen sei angefragt - schon vor der Söder-Kritik. "Ein wenig unglücklich" sei es vielleicht gewesen, dass dieses Konzept nicht angekündigt war, sagt Reitz.

Besonders gut passte es, dass die Serienfolge in dieser Woche lief, in der sich die CSU-Prominenz im traditionsreichen Wildbad Kreuth zur Winterklausur versammelte. Inklusive Söder. Für ihn, der gerne Ministerpräsident werden möchte, sind dies entscheidende Wochen: Eine (BR!)-Umfrage hatte gerade ermittelt, dass die Bayern ihn klar favorisieren. Seitdem wird in der CSU, auch in Kreuth, genau darauf geachtet, wie sich Söder präsentiert.

Promis in Serien

Auf fremdem Terrain

Für Söder ist auf dem Weg voran alles Strategie, auch seine Gastrolle. "800 000 Zuschauer", sagt er, "dafür müssen Sie 800 Bierzelte füllen". Die Aufregung versteht er nicht. "Das ist doch nichts Weltbewegendes." Probleme mit den politischen Parolen sehe er nicht. "Ich habe nur die Wahrheit gesagt." Jedenfalls habe er keinen Einfluss aufs Drehbuch gehabt, sondern nur manche Formulierung sprachlich seiner Redeweise angepasst. Die Kritik empfindet er als ein "bisschen kleinkariert", den Grünen empfiehlt er seine Filmpartnerin als Vorbild: "Diese Bürgermeisterin war tougher als die bayerischen Grünen."