WM-Stilkritik 2006Stilkritik

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Folge 23: Menschen vor dem Fernseher

Von: Tanja Rest

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Am Ende gibt es genau zwei Sorten von Menschen: Die einen, die ins Fernsehen wollen, und die anderen, die lieber von der Brücke springen würden. Ähnlich ist es mit den Menschen, deren Weg an einem öffentlichen Fernseher vorbeiführt, wobei sich ihr Weg zur Blickrichtung aller anderen Menschen orthogonal verhält. Es gibt die einen, die direkt vorm Fernseher stehenbleiben. Und die anderen, die jetzt lieber einen Tunnel graben würden. Beide Sorten sind die Pest. Ganz schlimm ist der Stehenbleiber, der immer dann eintrifft, wenn Klose aufs Tor zurennt. Er schiebt sich zwischen die Zuschauer und Klose. Das ist an sich schon unverzeihlich. Der Stehenbleiber genießt aber nun sogar das Publikum, er ist taub für Entsetzensschreie, es ist sein moment of fame, den er mit allerlei lustigen Faxen noch aufmotzt. Schlimmer ist eigentlich nur der Tunnelgraber. Da er sich nicht zehn Meter links vom Fernseher ins Pflaster bohren kann, um zehn Meter rechts davon ungesehen wieder rauszukommen, bleibt er neben dem Fernseher stehen und wartet ab. Er wartet darauf, dass Klose endlich fertig ist. Und alle anderen Menschen warten darauf, dass er endlich am Fernseher vorbeigeht. Das Warten kann dauern. Irgendwann robbt der Tunnelgraber mit roter Rübe unterm Bild hindurch und hat eine Viertelstunde Spiel versaut. Ob es noch eine dritte Sorte Menschen gibt, die Sorte, die ganz normal weiterläuft, ist schwer zu sagen. Man sieht sie einfach nicht. Bild: dpa

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