WM-Stilkritik 2006Stilkritik

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Folge 16: der Deutschlanddaumen

Von: Dominik Wichmann

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Wir wollen an dieser Stelle ein paar Worte über die Verwendung des Daumens der deutschen Stürmer Klose, Neuville und Podolski verlieren. Seit Beginn dieser WM recken die drei Herren am Ende eines gut gemeinten, gleichwohl ergebnislosen Spielzugs eilfertig den Daumen ihrer rechten Hand empor. Sie möchten damit dem Pass gebenden Mitspieler signalisieren: Hey, Kollege, Dein Zuspiel flog zwar zwanzig Meter an mir vorbei, aber echt nett von Dir, dass Du an mich gedacht hast. Die Geste gehört mittlerweile zum festen Repertoire des deutschen Sturms, etwa gleichbedeutend mit den Standardsituationen Ecke und Freistoß. Seine rhetorische Entsprechung fand der gestreckte Daumen bislang allenfalls in der Diktion von Führungskräfteseminaren („We are SZ“) oder Jürgen Höller („Tschakka“). Dass der Deutschlanddaumen vor allem infolge notorischer Arne-Friedrich-Querschläger zum Einsatz kommt, unterstreicht seine therapeutische Funktion. Sportgeschichtlich betrachtet, ersetzt der Deutschlanddaumen eine Geste, die lange Zeit die Entfremdung innerhalb der deutschen Nationalmannschaft, aber auch zwischen ihren Fans und Spielern versinnbildlichte: die Rede ist vom Effenberg-Mittelfinger.Foto: ddp

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