WM-Stilkritik 2006Stilkritik

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Folge 13: Die Perücke

Von: Arno Makowsky

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Okay, okay – das Teil ist durch. Total durch, beziehungsweise, wie wir Berufsjugendlichen sagen: voll durch. Sogar der amtierende Friseur-Weltmeister sagt, dass Irokesenschnitt und schwarz-rot-goldene Perücken „ausgelutscht“ sind. Was leider nur beweist, dass der Mann auch nicht mehr unter der Kopfhaut hat als seine berühmten Kollegen, die über jede Modeerscheinung irgendwas daherquatschen. Denn in Wahrheit entsprechen die Perücken perfekt dem schwarz-rot-goldenen Jubel auf den Straßen: Auch das Nationalgeschrei ist ja eine Pose, ist nicht wirklich ernst gemeint. Und weil künstliche Haare in absurden Farbtönen das Aussehen, ja geradezu die Persönlichkeit verändern, ist es ihrem Träger erlaubt, plötzlich vom braven Azubi oder seriösen leitenden Angestellten zum Freak zu mutieren, der aus heiserer Kehle „Deutschland“ oder „Schweini vor“ krächzt. Wenn Deutschland ausgeschieden ist, nimmt man die Perücke ab. Und mit ihr das nationale Pathos. Wie schön! Foto: dpa

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