Kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie beobachtete ich in Hamburg die kuriose Unterhaltung eines koreanischen Rucksacktouristen mit einem Hotelangestellten. Immer wieder sprach einer der beiden in ein Mobiltelefon, wartete kurz, scannte das Display, reichte es dem jeweils anderen über die Rezeption hinweg, der seinerseits etwas hineinsprach, wartete, scannte und so weiter. Es war offensichtlich, dass der eine kein Deutsch und der andere kein Koreanisch sprach, und obwohl die beiden kein einziges Wort miteinander wechselten, dauerte das Gespräch mehrere Minuten. Alle anderen Gäste schauten routiniert durch die Gegend, nur ich verfolgte die Szene halb verdutzt, halb skeptisch, als hätte sich für einen Moment ein Spalt in die Zukunft aufgetan. Bis heute denke ich darüber nach, ob ich mich darauf freuen soll.
WissenLost in Translation
Aus Heft 27/20
Lesezeit: 8 Min.

Künstliche Intelligenz hat Übersetzungsprogramme so verbessert, dass man vielleicht bald keine Fremdsprachen mehr lernen muss. Das macht vieles leichter – bringt aber Verständigungsprobleme anderer Art mit sich.
Von Tobias Haberl
K