WohlstandBist du hip – oder nur arm?

Aus Heft 9/26
Bei manchen türmt sich das Geld, bei anderen eher die Schulden. Je nachdem kann auch derselbe Satz etwas sehr unterschiedliches meinen.
Bei manchen türmt sich das Geld, bei anderen eher die Schulden. Je nachdem kann auch derselbe Satz etwas sehr unterschiedliches meinen. Illustration: Lea Fetköter

Ein sehr altes Auto besitzen, am Stadtrand leben: Manche Dinge sind für die einen Luxus und für die anderen eine Geldfrage. Wir haben Sätze gesammelt, die etwas ganz Unterschiedliches bedeuten – je nachdem, ob sie reiche oder arme Menschen aussprechen.

Von Ivana Sokola

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Es gibt da eine Liste, die ich führe. Angeregt von einem Twitter-Trend vor einigen Jahren sammle ich Momente, in denen die Wahrnehmung von Eigenschaften oder Lebensumständen auseinanderklafft – sie werden völlig unterschiedlich bewertet, je nachdem, wie viel Geld die betreffenden Leute haben.

Menschen, die arm sind, müssen gebrauchte Kleidung tragen, Urlaub in Deutschland machen, U-Bahn fahren oder im Plattenbau wohnen. Wenn Menschen mit Geld diese Dinge tun, haben sie sich dafür entschieden – etwa wegen der Umwelt oder wegen ihrer Auffassung von Schönheit. Etwas haben oder machen zu müssen, ist Ausdruck von Ohnmacht, das Gleiche haben oder machen zu wollen, ist Ausdruck von Macht. Viele Kinder mit ungewöhnlichen Namen aufzuziehen, oft die Partner zu wechseln oder ständig falsch zu parken – das alles verleiht wohlhabenden Menschen eine interessante und exzen­trische Note, während es bei armen Menschen als Marker für ihr vermeintliches Versagen gilt.

Eine andere Muttersprache als Deutsch zu haben ist chic, wenn es Französisch ist – nicht, wenn die Eltern Arabisch sprechen. Vielleicht sind beide Familien aus wirtschaft­lichen Gründen nach Deutschland migriert, die einen jedoch wegen eines gut bezahlten Managerjobs, die anderen wegen des Bürger­krieges in Syrien. Der Kontostand formt das gesellschaftliche Bild des Charakters eines Menschen. Mit meiner Liste ertappe ich mich selbst oft dabei, diese verdrehten Wahrnehmungen anzu­wenden. Ver­suchen Sie es auch einmal: Stellen Sie sich jede dieser Aussagen einmal von armen, einmal von wohlhabenden Menschen vor.

Illustration: SZ-Magazin
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lebt am Berliner Stadtrand, hat sieben Tattoos und kein Auto. Was das über ihren sozialen Status aussagt, weiß sie selbst nicht so genau.

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