Neben der Fortpflanzung ist die Kriegsführung die wohl älteste Leidenschaft der Menschheit. Wo Menschen aufeinandertreffen, geraten sie in Streit, suchen Vorteile, hegen Misstrauen, fühlen sich bedrängt, begegnen sich mit Hinterlist und offener Aggression. Jede Faust findet ihren Keil, jeder Speer seine Spitze, jeder Bogen seinen Pfeil. Angriff und Abwehr sind Urinstinkte, die Biochemie des menschlichen Körpers dient zuerst dem Überleben. Stärke und Schwäche sind Distinktionsmerkmale, seitdem die Menschheit das Bedürfnis zur Unterscheidung entwickelt hat. Am Ende bleiben Flucht oder Attacke. Im Affenhaus des Frankfurter Zoos ließ der Verhaltensforscher Bernhard Grzimek vor vielen Jahren ein Schild anbringen, das auf »das gefährlichste Raubtier der Erde« hinwies. Folgte man dem Wegweiser, schaute man in einen Spiegel. Die Geschichte der Aggression wurde schon bald zur Geschichte der Kriege, die Geschichte der Kriege zur endlosen Saga von Leid und Verderben.
WirtschaftDas Grundgesetz der Menschheit
Aus Heft 21/20
Lesezeit: 3 Min.

Der UN-Generalsekretär möchte als Folge der Corona-Pandemie einen globalen Waffenstillstand erreichen. Kommt ausgerechnet jetzt die Gelegenheit, den ewigen Kreislauf aus Machthunger und Krieg, Sieg und Niederlage zu durchbrechen?
Fotos: Nikita Teryoshin Text: Stefan Kornelius
N