WirtschaftDas Himbeervisum

Aus Heft 48/20

Lesezeit: 13 Min.

Sujan Khanal an einem seiner freien Tage. Der 27-jährige Nepalese studierte in Indien und Frankreich, nun pflückt er Himbeeren in Portugal.
Sujan Khanal an einem seiner freien Tage. Der 27-jährige Nepalese studierte in Indien und Frankreich, nun pflückt er Himbeeren in Portugal. Kristin Bethge

Der Nepalese Sujan Khanal möchte in Europa leben. Portugal macht ihm ein Angebot: Sieben Jahre lang Himbeeren pflücken – dann bekommt er den ersehnten Pass. Über ein Geschäft, bei dem nur eine Seite sicher gewinnt.

Von Fabian Federl Fotos: Kristin Bethge

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An einem Spätsommerabend 2019 steigt Sujan Khanal, ein 27-Jähriger mit kindlichen Augen, aus einem Linienbus in Odemira. Sein Blick schwenkt durch die Ankunftshalle, darin Dutzende Menschen mit Turbanen und bunten Gewändern. Im Restaurant neben dem Busbahnhof sitzen Sikhs, am Nachbartisch muslimische Inder, an einem dritten Nepalesen. Sujan, ebenfalls Nepalese, setzt sich dazu. Er wartet. Wie es ihm sein Vermittler gesagt hatte. Einige Minuten später hält ein Kleinbus. Der Fahrer winkt Sujan zu sich. Er gibt Gas, die Hauptstraße hinab, vorbei an den weiß-blau gekachelten Häusern, vorbei an anderen Männern, die auf ihre Busse warten, um sich, wie Sujan, auf den Weg zu machen an den Ort, der ihre Heimat werden soll. Für rund sieben Jahre.

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