Vorgeknöpft - Die ModekolumneFettnapf Mottoparty

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Selfmade-Milliardärin und Serienfan: Kylie Jenner
Selfmade-Milliardärin und Serienfan: Kylie Jenner Foto: Jackson Lee/GC Images

Kylie Jenner gibt für eine Freundin eine Kostümparty inspiriert von der Serie »The Handmaid’s Tale«, in der Frauen als Gebärmaschinen für ein mächtiges Patriarchat fungieren. Eine etwas schwierige Kopfgeburt in Zeiten ideologisch geführter Abtreibungsdebatten.

Von Silke Wichert

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Timing ist alles. Das weiß jemand wie Kylie Jenner natürlich. Mit ihrer Kosmetiklinie hat der Kardashian-Spross schließlich den Beauty-Boom antizipiert und sich zur jüngsten »Selfmade«-Milliardärin hochgepudert, und pünktlich zum Start der dritten Staffel von The Handmaid’s Tale in den USA schmiss sie nun für eine Freundin bei sich zu Hause eine Mottoparty im Stil der Serie. Rotverhangener Tunnel am Eingang, eine Kleiderstange mit roten Capes und Kleidern für die Gäste, weiße Flügelhauben und Drinks wie »Praise be – Wodka«, in Anlehnung an die dogmatische Grußformel im Reich Gilead. Dazu eine festlich gedeckte Tafel ganz in Weiß und Rot. Die 21-Jährige hatte bei der Ausstattung wirklich an alles gedacht.

Nur an die inhaltliche Komponente der Serie dummerweise nicht, die ja auch wieder ein ziemlich aktuelles Timing hat. In »Der Report der Magd«, so die deutsche Übersetzung der Romanvorlage von Margaret Atwood, sind die Frauen in den hübschen roten Umhängen bekanntlich unterjochte Gebärmaschinen, die autokratischen Herrscher bestimmen über ihre Körper, und so dystopisch die Handlung einerseits noch sein mag, so erschreckend gegenwärtig ist sie plötzlich doch, wenn in Alabama und anderswo wieder strenge Abtreibungsgesetze verhängt oder diskutiert werden.

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Vor amerikanischen Gerichten, in Argentinien und bei der amerikanischen Botschaft in Paris gab es deshalb auch so etwas wie Mottopartys im Stil von »The Handmaid’s Tale« – in Form von Demonstrationen, bei denen Frauen mit Umhang und Mützen für die weibliche Selbstbestimmung eintraten, während Kylie Jenner und ihre Freundinnen auf Snapchat lediglich Parolen wie »Praise be, Ladies!« oder »You know, this is my favourite show ever!« vor sich hin giggelten. Hallo? Jemand zu Hause unter der Flügelhaube...?

Viele ihrer zahlreichen Follower fragten sich daraufhin, ob Jenner überhaupt verstanden habe, worum es in ihrer »Lieblingsserie« gehe, oder sie nur – altes Stierkampf-Missverständnis – auf die roten Mäntelchen angesprungen sei. Tatsächlich haben die Mägde seit dem Start der Serie 2017 auch Designer inspiriert: Das britische Duo Preen by Thornton Bragazzi zeigte für vergangenen Sommer ein rotes Kleid mit roter Flügelhaube, Vera Wang schwarze Hauben zu schwarzen Roben – allerdings als bewusste modische Referenz auf den Diskurs, nicht als Dresscode für den nächsten Junggesellinnenabschied.

Dass Kostüme ohnehin ein riesiger Fettnapf sein können, musste auch schon Prince Harry erfahren, als er – damals ebenfalls gerade 20 – auf einer privaten Feier mit Hakenkreuzbinde erschien. Und wer gerade noch daran dachte, diesen Sommer mal wieder eine Miami Vice-Party mit Sonnys und Ricos zu schmeißen, überlegt sich – akute Blackfacing-Gefahr – vielleicht doch lieber ein anderes Thema. Oder lässt es gleich ganz bleiben.

Dann hätte #kyliemaid doch noch sein Gutes: Vielleicht hört damit endlich dieser ganze Motto-Party-Spuk auf und die Menschen betrinken sich einfach wieder in ihren normalen Klamotten, statt ständig irgendein Motto auszurufen und den Themenabend vermeintlich mit »Inhalt« aufzuladen; obwohl sie eigentlich nur mal wieder hemmungslos Gedöns beim Flying Tiger einkaufen möchten.

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Illustration: Grafilu

hat mehrere Jahre das Moderessort des SZ-Magazins geleitet. Leute sagen deshalb gern vorweg, dass sie sich wirklich! überhaupt! nicht! für Mode interessieren. Um dann, nur mal so interessehalber, hinterher zu schieben: Was trägt man denn gerade so? Auch dafür schreibt sie jetzt diese Kolumne.

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