Israel-PalästinaJedes einzelne Leben

Aus Heft 37/26

Lesezeit: 29 Min.

Marlene Pfau

Wie verteilen wir unsere Empathie im Gaza-Konflikt? Was braucht es, um das Leid der jeweils anderen zu ver­stehen und anzu­erkennen? Eine Auseinandersetzung.

Von Carolin Emcke

Zeitachsen – Ortswechsel

Berlin. Für manche beginnt die eigene Zeitrechnung am 7. Oktober. Das Datum markiert eine Zäsur. Dieses Verbrechen reiht sich nicht ein in eine Chronologie oder einen Kontext. Es hebt die Zeit aus den Fugen. Für andere gibt es eine andere Zeitrechnung, gibt es ein Davor, eine Chro­nologie, die andere historische Momente, andere Gewalt­erfahrungen betont. Für manche beginnt es mit der isra­elischen Besatzung im Westjordanland. Und mit der Abriegelung des Gazastreifens. Für andere noch viel früher. Mit dem Teilungsplan und der Gründung des Staates Israel. Mit dem Krieg, der darauf folgte. Mit der Nakba, der »Katastrophe«, der Gewalt und der Vertreibung der Palästinenser. Für andere beginnt es mit der Shoah. Für wieder andere beginnt es mit den Briten und ihrem Mandat. Mit den Enteignungen und Entrechtungen im Namen britischer Notstandsverfügungen. Mit dem Imperialismus der Briten und ihren kolonialen Techniken der Repression, die später immer wieder zitiert oder kopiert wurden.

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