Stil lebenMeer Fantasie!

Aus Heft 19/12

Lesezeit: 2 Min.

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Vom Mississippi bis Venedig und noch weiter: Eine New Yorker Künstlertruppe will mit selbst gebauten Flößen die Welt schöner, freier und ein bisschen aufregender machen. Wir würden am liebsten sofort mitfahren

Von: Christoph Cadenbach

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Sie waren gerade um die Südspitze Manhattans getuckert, als ein Polizeiboot auf sie zugerast kam. Was sie hier machen würden mit ihren merkwürdigen Flößen, wollten die Beamten wissen, eine besorgte Bürgerin hätte sie telefonisch alarmiert: Da trieben Piraten auf dem Wasser vor New York.

Die Swimming Cities sind ein Kunstprojekt, das die Fantasie der Betrachter anregt: Filme wie Fluch der Karibik fallen einem ein (leider auch Waterworld, der komplett misslungene Endzeitfilm mit Kevin Costner), aber man denkt auch an Aussteigerkommunen, Hippie-Wohnwagen, vielleicht an die überladenen Boote afrikanischer Flüchtlinge, zumindest in Europa. Viele Journalisten haben Konsumkritik in die Flöße hinein- oder aus ihnen herausgelesen, weil sie aus Sperrholz und anderen Dingen, die Menschen wegwerfen, zusammengenagelt sind – angetrieben werden sie von alten Automotoren. Doch zuallererst sollen die Swimming Cities ein Abenteuer sein: für die Leute auf den Flößen und für die am Ufer.

»Die meisten Menschen, die wir getroffenen haben, meinten: Super, so etwas wollte ich auch schon immer mal machen«, erzählt Tod Seelie. Der Fotograf ist seit der ersten Reise mit dabei. Im Sommer 2006 war das, auf dem Mississippi: ein Dutzend Freunde auf zwei Flößen. Abends hielten sie an kleineren Städten, spielten Musik, machten Performances - ein Wanderzirkus von New Yorker Lebenskünstlern. 2008 dann folgte die Tour dem Hudson River bis nach New York. Die Polizisten, die von der besorgten Frau gerufen worden waren, ließen sie nach kurzem Stopp und kleiner Diskussion übrigens weiterfahren. 2009 fand die bisher aufwändigste Reise statt, sie hat die Swimming Cities in der Kunstwelt endgültig bekannt gemacht: Da fuhr die Crew mit ihren Flößen von Slowenien die Adriaküste westwärts bis nach Venedig, wo gerade die Biennale stattfand. Die Swimming Cities erreichten die Stadt, die ins Wasser gebaut ist und von der das Kunstprojekt Jahre zuvor inspiriert worden war.

Die Street-Art-Künstlerin Swoon, von der die Idee der Swimming Cities stammt, war nach einer Reise so begeistert von Venedig, dass sie ihre Flöße gestalten wollte wie die Stadt. Die Tour zur Biennale nach Venedig finanzierten sie und ihre Galerie zu großen Teilen: Ein Containerschiff brachte die Flöße von New York nach Europa. Dann der Höhepunkt der Reise: der Abend, an dem sie durch den Canal Grande fuhren, der Venedig wie ein »S« durchschneidet. Aufnahmen davon sind in Empire Me zu sehen, einem Dokumentarfilm über alternative Gesellschaftsmodelle wie die autonome Kommune Christiania in Kopenhagen oder eben die Swimming Cities. Nach Venedig hat sich die Künstlerin Swoon von ihrem Projekt verabschiedet, die Swimming Cities fah-ren aber dennoch weiter. Erst im vergangenen Herbst gab es ein Reise auf dem Ganges in Indien – mit neuen Flößen, von anderen Leuten. In diesem Sommer wollen Freunde von Swoon und dem Fotografen Tod Seelie den Ohio im Herzen der USA hinunterfahren.

Fotos: Tod Seelie

Die Swimming cities sind Transportmittel, Unterkunft und Kunstskulptur in einem. Angetrieben werden sie von alten Automotoren, sonst wird alles verbaut, was an Sperrmüll zu finden ist. Das Foto entstand auf der Fahrt zur Biennale in Venedig.
Die Swimming cities sind Transportmittel, Unterkunft und Kunstskulptur in einem. Angetrieben werden sie von alten Automotoren, sonst wird alles verbaut, was an Sperrmüll zu finden ist. Das Foto entstand auf der Fahrt zur Biennale in Venedig.
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Monica Canilao, Crew Mitglied und Künstlerin
Monica Canilao, Crew Mitglied und Künstlerin
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Der Mann im Anzug zum Beispiel ist Ryan Doyle, der Skulpturen baut und einer der Organisatoren des Burning Man Festivals ist.
Der Mann im Anzug zum Beispiel ist Ryan Doyle, der Skulpturen baut und einer der Organisatoren des Burning Man Festivals ist.
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Die Crew der Swimming Cities sind Künstler, Fotografen, Musiker Schauspieler.
Die Crew der Swimming Cities sind Künstler, Fotografen, Musiker Schauspieler.
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Die Frau rechts heißt Robin Frohardt und betreibt in San Francisco ein Puppentheater.
Die Frau rechts heißt Robin Frohardt und betreibt in San Francisco ein Puppentheater.
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Die meisten Crewmitglieder leben allerdings in New York, viele kommen aus der alternativen »Dumster Diving«- Szene, das heißt, sie fischen weggeworfene Lebensmittel aus Mülltonnen von Supermärkten.
Die meisten Crewmitglieder leben allerdings in New York, viele kommen aus der alternativen »Dumster Diving«- Szene, das heißt, sie fischen weggeworfene Lebensmittel aus Mülltonnen von Supermärkten.
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Auch auf ihrer ersten Reise mit den Swimming Cities auf dem Mississippi wollten sich die Lebenskünstler so ernähren. Bis sie feststellen mussten, dass die Supermarktmitarbeiter in der Gegend Müllzerkleinerer einsetzen.
Auch auf ihrer ersten Reise mit den Swimming Cities auf dem Mississippi wollten sich die Lebenskünstler so ernähren. Bis sie feststellen mussten, dass die Supermarktmitarbeiter in der Gegend Müllzerkleinerer einsetzen.
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Die Swimming Cities auf ihrer Reise nach Venedig. Die Höhe der Flöße war so bemessen, dass sie nicht an einer der zahlreichen Brücken der Stadt hängen bliben, zumindest auf dem Canal Grande.
Die Swimming Cities auf ihrer Reise nach Venedig. Die Höhe der Flöße war so bemessen, dass sie nicht an einer der zahlreichen Brücken der Stadt hängen bliben, zumindest auf dem Canal Grande.
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Die Künstlerin und Musikerin Tianna Kennedy.
Die Künstlerin und Musikerin Tianna Kennedy.
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Eines der größten Flöße vor der Skyline von New York, während einer Tour im jahr 2008.
Eines der größten Flöße vor der Skyline von New York, während einer Tour im jahr 2008.
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Wenn der Fotograf Tod Seelie nicht auf selbst gebauten Flößen durch die Welt fährt, dokumentiert er auf seinen Bildern den New Yorker Kunst- und Punkrock-Untergrund. Seine Fotos erscheinen in Magazinen wie "Vice" oder dem "New York Magazine". Gemeinsam mit der Street-Art-Künst-lerin Swoon, von der die Idee der Swimming Cities ursprünglich stammt, hat er nach dem Erdbeben 2010 auf Haiti ein Hilfsprojekt gestartet. Mehr dazu unter www.konbitshelter.org

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