Stil lebenGlänzende Arbeit

Aus Heft 44/09

Lesezeit: 1 Min.

Im Uhrzeigersinn: Jet-Helm  Mowie  von Diesel und AGV, gefederter Mountainbike-Aluminiumrahmen  901  von Liteville, Hocker  Saturn  von BarberOsgerby für ClassiCon, Duschkopf  Ondus  von Grohe
Im Uhrzeigersinn: Jet-Helm Mowie von Diesel und AGV, gefederter Mountainbike-Aluminiumrahmen 901 von Liteville, Hocker Saturn von BarberOsgerby für ClassiCon, Duschkopf Ondus von Grohe Andreas Mierswa

Gutes Design kann sich Zurückhaltung leisten. Deshalb setzt es immer häufiger auf matte Oberflächen (und ja, das verrät einiges über den Zustand unserer Welt)

Text und Fotos: Andreas Mierswa Markus Kluska

W

Wir leben in glanzlosen Zeiten. Ob Autos oder Computergehäuse, Badezimmer-Armaturen oder jetzt sogar die Nagellackfarben: Die Oberfläche der Dinge, die uns umgibt, wird langsam matt. Dass lackierte Oberflächen glänzen sollen, ist bis vor Kurzem ästhetischer Standard gewesen. In der Reflexion des Sonnenlichts treten die Dinge in Beziehung zur Außenwelt, und die Botschaft, die von ihrem Glanz ausgeht, ist eindeutig: Die Gegenstände stellen sich zur Schau, verkünden ihren Wert und ihre Schönheit; jedes glänzende Ding will Schmuck sein. Auf die Spitze getrieben, hat diese Ästhetik des Glanzes Anfang des Jahrhunderts unter dem Namen Bling-Bling für Furore gesorgt.

Mattes Design, an Autos etwa, hat es bis vor kurzer Zeit so gut wie nicht gegeben. Sebastian Ludwig von »Avus Performance«, der ersten Firma, die diesen Service in Deutschland angeboten hat, sagt, dass mattschwarze Autos erst seit Anfang 2008 gefragt sind. Die meisten werden mit Folie bezogen. Allein in den letzten Monaten hat der Berliner Autotuning-Betrieb mehr als hundert Wagen der Luxusklasse umgestaltet. Das matte Design formuliert eine andere Aussage: Von den merkwürdig zweidimensional wirkenden Dingen geht Askese und Selbstbezogenheit aus, so als würden sie sich von der Außenwelt abkapseln wollen. Doch womit genau hat diese neue ästhetische Vorliebe zu tun, die man inzwischen in jedem Auto- und Einrichtungshaus, in jedem Elektronikgeschäft sieht? Womöglich ist das matte Design als ästhetischer Reflex auf unsere zurückgenommene, krisenhafte Zeit zu verstehen. Die lichtundurchlässigen Oberflächen verweisen auf die kollektive Ernüchterung nach dem Einbruch der Wirtschaftsordnung.

Und ist das nicht der bestimmende Eindruck, wenn man jene mattschwarzen Geländewagen sieht oder jene mattschwarzen Armbanduhren, wie sie gerade Konjunktur haben? Der Wohlstand der Besitzer wird nicht mehr hinausposaunt, sondern zeigt sich diskret. Gleichzeitig sollen die Dinge ihre Eigentümer mit einer Art Schutzschicht umgeben; die matten BMWs oder Porsche Cayennes, die in München immer häufiger zu sehen sind, haben etwas von Panzerwagen. In einer Zeit, in der sich die Menschen eher einigeln als aufspielen wollen, liefert das matte Design die passende Umhüllung. So lang, bis wieder glanzvollere Zeiten anbrechen.

Spielkonsole  Sony Playstation 3 Slim , Flaschenöffner von Muji, Spielsteuerung der  Sony Playstation , Armbanduhr  Big Bang All Black II  von Hublot, Dreilocharmatur  Axor Urquiola  von Patricia Urquiola für Axor, Espressotasse  Hermesso  von La Table Hermés
Spielkonsole Sony Playstation 3 Slim, Flaschenöffner von Muji, Spielsteuerung der Sony Playstation, Armbanduhr Big Bang All Black II von Hublot, Dreilocharmatur Axor Urquiola von Patricia Urquiola für Axor, Espressotasse Hermesso von La Table Hermés Andreas Mierswa
Audi TT mit mattschwarzer Folie bezogen und getunt von Avus Performance, Berlin
Audi TT mit mattschwarzer Folie bezogen und getunt von Avus Performance, Berlin Andreas Mierswa
Tischlampe  Ribbon  von Habitat, Kerzenleuchter  Heima  von Norman Copenhagen, Porzellanfigur  Skispringer  von Reichenbach, Armbanduhr  BR-01-92 Phantom  von Bell & Ross
Tischlampe Ribbon von Habitat, Kerzenleuchter Heima von Norman Copenhagen, Porzellanfigur Skispringer von Reichenbach, Armbanduhr BR-01-92 Phantom von Bell & Ross Andreas Mierswa
Links und rechts: Kombinierbare Geschirrelemente  Niche  von Zaha Hadid für Alessi, Mitte: Vase  Scarabées  von Lalique, darin und darüber Kochutensilien von Muji
Links und rechts: Kombinierbare Geschirrelemente Niche von Zaha Hadid für Alessi, Mitte: Vase Scarabées von Lalique, darin und darüber Kochutensilien von Muji Andreas Mierswa
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