Stil lebenAch, was büste schön!

Aus Heft 18/13
Alex Rothe, Berlin, Make-up Artist für Giorgio Armani   »Nofretete galt als schönste Frau der Antike. Ich habe lange überlegt, welcher Typ sie heute wäre: Marlene Dietrich, Rita Hayworth, Sophia Loren? In der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin habe ich mich wegen der Farben beraten lassen: Für eine Kopie der Originalbüste nehmen sie dort Schellack, aber Acrylfarben und Make-up-Pigmente halten auch. Ich habe mich für einen Eyeliner auf dem Oberlid und klassisch rote Lippen entschieden, ansonsten aber auf Farben verzichtet, damit meine Nofretete nicht maskenhaft wirkt. Nur auf die Lider habe ich Schimmerpigmente getupft und in die dunkelblauen Wimpern Federrhomben gesetzt, um den Blick zu öffnen. Nichts fürs wahre Leben: Sekundenkleber auf dem unteren Lidrand, um den Glanz der Tränenflüssigkeit nachzubilden.« Foto: Peter Langer
Alex Rothe, Berlin, Make-up Artist für Giorgio Armani  »Nofretete galt als schönste Frau der Antike. Ich habe lange überlegt, welcher Typ sie heute wäre: Marlene Dietrich, Rita Hayworth, Sophia Loren? In der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin habe ich mich wegen der Farben beraten lassen: Für eine Kopie der Originalbüste nehmen sie dort Schellack, aber Acrylfarben und Make-up-Pigmente halten auch. Ich habe mich für einen Eyeliner auf dem Oberlid und klassisch rote Lippen entschieden, ansonsten aber auf Farben verzichtet, damit meine Nofretete nicht maskenhaft wirkt. Nur auf die Lider habe ich Schimmerpigmente getupft und in die dunkelblauen Wimpern Federrhomben gesetzt, um den Blick zu öffnen. Nichts fürs wahre Leben: Sekundenkleber auf dem unteren Lidrand, um den Glanz der Tränenflüssigkeit nachzubilden.« Foto: Peter Langer
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Welches Make-up würde Nofretete heute tragen? Vier Vorschläge von Top-Visagisten, gezeigt an Originalnachbildungen des Ägyptischen Museums Berlin.

I

Idee/Konzept: Kerstin Greiner; Produktion: Kerstin Greiner, Tania Messner; Protokolle: Tania Messner. Dank an die Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin für die freundliche Bereitstellung der Büsten. Die Originalbüste ist im Ägyptischen Museum in Berlin zu sehen, die neu gestalteten in den Ausstellungsräumen der Gipsformerei, www.smb.spk-berlin.de/gf. Loni Baur für Armin Morbach

Alex Rothe
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Loni Baur, Hamburg, Make-up Artist für die Pariser Schauen von Chloé, Balenciaga und Akris  »Nofretete hatte wunderschöne, stark ausgeprägte Wangenknochen, klar geschnittene Augen, eine gerade Nase, volle Lippen und fast symmetrische Gesichtshälften: Ihre Schönheit ist immer noch sehr aktuell. Wenn sie heute leben würde, könnte sie auf jeden Fall als Fotomodell arbeiten. Ich habe sie wegen ihrer Bedeutung aber eher wie eine Prominente behandelt und wollte kein klassisches Make-up schminken. Meine Interpretation wirkt rau und ein wenig morbide. Ihr Ausdruck ist müde, wie nach einer langen Fahrt nach Hause - sie ist ja auch schon sehr lange auf der Welt. Die Perlen und Swarovski-Steine stehen für den Wert der Büste. Ich habe tagelang bis spät in die Nacht an ihr gearbeitet und mich sogar einmal dabei ertappt, dass ich mit ihr sprach.« Foto: Peter Langer
Loni Baur, Hamburg, Make-up Artist für die Pariser Schauen von Chloé, Balenciaga und Akris »Nofretete hatte wunderschöne, stark ausgeprägte Wangenknochen, klar geschnittene Augen, eine gerade Nase, volle Lippen und fast symmetrische Gesichtshälften: Ihre Schönheit ist immer noch sehr aktuell. Wenn sie heute leben würde, könnte sie auf jeden Fall als Fotomodell arbeiten. Ich habe sie wegen ihrer Bedeutung aber eher wie eine Prominente behandelt und wollte kein klassisches Make-up schminken. Meine Interpretation wirkt rau und ein wenig morbide. Ihr Ausdruck ist müde, wie nach einer langen Fahrt nach Hause - sie ist ja auch schon sehr lange auf der Welt. Die Perlen und Swarovski-Steine stehen für den Wert der Büste. Ich habe tagelang bis spät in die Nacht an ihr gearbeitet und mich sogar einmal dabei ertappt, dass ich mit ihr sprach.« Foto: Peter Langer
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Lori Baur
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Martin Schmid, New York, Make-up Artist für Chanel  »Ich wollte der Nofretete den Look einer eleganten Frau geben, die auf der 5th Avenue entlangspaziert. Dazu habe ich mich auf Beige, Schwarz, Weiß und Gold konzentriert. Die Lippen sollten nicht rot, sondern nur durch Lipgloss betont werden, der Teint ist leicht gebräunt und frisch. Ihre orientalischen Augen sind für einen Visagisten ein Traum, weil man auf ihren Lidern Farben sehen kann - nicht wie beim durchschnittlichen Schlupflid, das jeden Lidstrich verschluckt. Als Grundlage habe ich wasserfestes Airbrush-Make-up verwendet. Augen und Lippen habe ich mit Nagellack nachgearbeitet, um einen Gloss-Effekt zu erzielen. Beim Schminken habe ich es sehr genossen, dass die Büste still war. Wenn die Models viel reden, lenkt mich das nur ab.« Foto: Filippo Del Vita
Martin Schmid, New York, Make-up Artist für Chanel »Ich wollte der Nofretete den Look einer eleganten Frau geben, die auf der 5th Avenue entlangspaziert. Dazu habe ich mich auf Beige, Schwarz, Weiß und Gold konzentriert. Die Lippen sollten nicht rot, sondern nur durch Lipgloss betont werden, der Teint ist leicht gebräunt und frisch. Ihre orientalischen Augen sind für einen Visagisten ein Traum, weil man auf ihren Lidern Farben sehen kann - nicht wie beim durchschnittlichen Schlupflid, das jeden Lidstrich verschluckt. Als Grundlage habe ich wasserfestes Airbrush-Make-up verwendet. Augen und Lippen habe ich mit Nagellack nachgearbeitet, um einen Gloss-Effekt zu erzielen. Beim Schminken habe ich es sehr genossen, dass die Büste still war. Wenn die Models viel reden, lenkt mich das nur ab.« Foto: Filippo Del Vita
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Martin Schmid
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Michael Latus, Stuttgart, Visagist für Yves Saint Laurent  »Ich habe mir lange Fotos von der Originalbüste und ihrem Make-up angesehen: Heute schminkt man ganz anders. Wir versuchen das Gesicht optisch zu verjüngen, indem wir diagonal nach oben schminken - als ob man ein Dreieck mit der Spitze nach unten auf das Gesicht legt. Bei den Farben habe ich mich auf Violett und ein rötliches Goldbraun konzentriert, für die Lippen ein helles Nude gewählt: ein bisschen wie Jennifer Lopez. Einmal habe ich von Nofretete geträumt und am Ende hatte ich sogar das Gefühl, dass ihr das Make-up gefällt: Sie spielt ja etwas zurück! Ihre Augenbrauen waren eine Herausforderung, sie sind gleichbleibend rund, nicht wie man sie heute trägt: zwei Drittel ansteigend und ein Drittel abfallend. Ich habe sie höher gesetzt, um ihren majestätischen Ausdruck zu verstärken. Ungewohnt war, dass die Büste zwar stillhält, man aber nicht an ihrer Haut ziehen und reiben kann wie bei einer lebenden Person.« Foto: Peter Langer
Michael Latus, Stuttgart, Visagist für Yves Saint Laurent »Ich habe mir lange Fotos von der Originalbüste und ihrem Make-up angesehen: Heute schminkt man ganz anders. Wir versuchen das Gesicht optisch zu verjüngen, indem wir diagonal nach oben schminken - als ob man ein Dreieck mit der Spitze nach unten auf das Gesicht legt. Bei den Farben habe ich mich auf Violett und ein rötliches Goldbraun konzentriert, für die Lippen ein helles Nude gewählt: ein bisschen wie Jennifer Lopez. Einmal habe ich von Nofretete geträumt und am Ende hatte ich sogar das Gefühl, dass ihr das Make-up gefällt: Sie spielt ja etwas zurück! Ihre Augenbrauen waren eine Herausforderung, sie sind gleichbleibend rund, nicht wie man sie heute trägt: zwei Drittel ansteigend und ein Drittel abfallend. Ich habe sie höher gesetzt, um ihren majestätischen Ausdruck zu verstärken. Ungewohnt war, dass die Büste zwar stillhält, man aber nicht an ihrer Haut ziehen und reiben kann wie bei einer lebenden Person.« Foto: Peter Langer
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Michael Latus
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