Ich war – will ich meinem Vater Glauben schenken – fünf Jahre alt, als ich mit meiner Familie wie vermutlich alle norwegischen Familien an einem Januarsonntag in den Sechzigerjahren auf einer Skitour war. Wir hatten uns zwischen anderen Familien zur Rast niedergelassen und nahmen die traditionelle Marschverpflegung zu uns – Keksschokolade und Apfelsinen –, als mein Vater bemerkte, wie ich mit meinen Skiern einen Hügel hinaufstapfte. Er sah, wie ich die älteren Kinder beobachtete, die sich etwa dort, wo der Hang am steilsten wurde, eine Schanze gebaut hatten. Nachdem ich die anderen hatte springen sehen, stieg ich selbst nach oben, stieß mich ab und sprang – wieder laut meinem Vater – weiter als all die anderen, viel größeren Jungs. Ich blieb sogar auf den Beinen, bremste unten in einer Kurve ab und ging zurück zu meinen Eltern.
SportWas Skispringen über das Leben lehrt
Aus Heft 3/22
Lesezeit: 8 Min.

Jo Nesbø, einer der berühmtesten Schriftsteller der Skisprung-Nation Norwegen, schreibt vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele darüber, wie der Sport seine Kindheit geprägt hat, und was ihn so faszinierend macht.
Von Jo Nesbø
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