Er nimmt die Atemmaske ab. Sein Gesicht, gespannt von Sturm und Strapazen, ragt aus dem Thermoanzug, der ihn umhüllt. Hinter ihm nur gleichmäßiges Blau über ewigem Weiß, dazwischen der Horizont wie ein Türspalt ins Licht. Geblendet greift er nach der nepalesischen Flagge und dankt in die Kamera, die ihn filmt, der Göttin-Mutter, auf deren Rücken er da steht. Seine Stimme klingt fern, als wäre sie ihm auf halber Strecke abhandengekommen. Er weiß, dass er die letzte Kraft für den Abstieg braucht. Von denen, die am Berg sterben, sterben die meisten auf dem Weg zurück, in trügerischer Erleichterung. Nur das noch: Er ruft den elf Begleitern zu, auf Englisch nun, der Kundschaft wegen, die das Video schauen wird: »2021 Summit!« Jubel weht zurück. Sie sind die Ersten hier oben in diesem Jahr, das der buddhistischen Zeitrechnung zufolge das 2564. ist.
ReiseDer Mann, der den Mount Everest 25 Mal bezwang
Aus Heft 42/21
Lesezeit: 14 Min.

Niemand stieg so oft auf den höchsten Berg der Welt wie der Sherpa Kami Rita. Der Gipfel macht ihm keine Angst. Aber das, was er dort sieht.
Von Patrick Bauer
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