Es ist alles eine Frage des Blickwinkels. Von außen betrachtet, signalisiert eine Grenze Herrschaft, Macht, Misstrauen. Nach innen hingegen soll sie Sicherheit und Souveränität ausstrahlen. Kein Wunder, dass Grenzmauern, Zäune, Wachtürme zu den Lieblingsbauwerken von Populisten gehören, schließlich sind sie so etwas wie zementierte Symbole für die schützende Allmacht der Regenten. Trump hat seinen Wahlsieg 2016 großteils dem Versprechen zu verdanken, er werde eine Mauer zu Mexiko bauen und damit das Migrationsproblem ein für alle Mal lösen. Als Bestätigung seines gigantischen Abschottungsplans twitterte er 2019, dass »heute 77 große Grenzmauern existieren und 45 Länder aktuell Mauern planen oder bauen. Mehr als 800 Meilen Mauern wurden in Europa seit 2015 gebaut! Sie alle sind zu nahezu 100 Prozent erfolgreich«.
ReiseEntgrenzt
Aus Heft 9/20
Lesezeit: 2 Min.

Die Halbinsel Krim am Schwarzen Meer ist ein strategisch sehr wichtiges Gebiet. Das hat dazu geführt, dass die Krim schon häufig umkämpft war. Sie stand bereits unter griechischer, römischer, osmanischer und russischer Herrschaft, im Zweiten Weltkrieg wurde sie von der deutschen Wehrmacht besetzt. Auf dem Foto oben erkennt man im Vordergrund noch einige Überreste der griechischen Kolonie Myrmekion, die im sechsten Jahrhundert vor Christus gegründet wurde. Dahinter ist die Krim-Brücke zu sehen. Sie ist mit 19 Kilometern die längste Brücke von Europa und verbindet die Krim mit dem russischen Festland. Die Krim-Brücke wurde im Zuge der russischen Annexion der Krim im Frühjahr 2014 errichtet, der jüngsten gewaltsamen Übernahme des Gebiets. Das macht die Krim-Brücke zu einem Symbol der international nicht anerkannten Grenzverschiebung zwischen Russland und der Ukraine. Roger Eberhard
Der Züricher Fotograf Roger Eberhard hat weltweit Orte aufgenommen, an denen einst Grenzen lagen – die dann aber verschwanden, weil Reiche untergingen, Verträge erloschen oder Gletscher schmolzen. Die Bilder enthalten eine tröstliche Wahrheit: die Vergänglichkeit menschlicher Spaltung.
Fotos: Roger Eberhard Text : Alex Rühle
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