Wie Gemeinschaft trösten kann»Auf der Straße erleben wir kollektive Selbstwirksamkeit«

Lesezeit: 7 Min.

»Es kann produktiver sein, sich nicht nur gegen etwas, sondern auch für etwas einzusetzen, also den Fokus auf das zu richten, was wir erreichen wollen.«
»Es kann produktiver sein, sich nicht nur gegen etwas, sondern auch für etwas einzusetzen, also den Fokus auf das zu richten, was wir erreichen wollen.«
Foto: Sarah Jonek

In Zeiten von Anschlägen und Rechtsruck sehnen viele sich danach, etwas zu tun. Der Psychologe Jonas Rees erklärt, wie tröstlich Demonstrationen und Online-Petitionen wirklich sind – und warum viele die eigene Nachbarschaft unterschätzen.

Interview von Simone Kamhuber und Agnes Striegan

SZ-Magazin: Herr Rees, warum gehen Menschen nach Anschlägen wie dem beim CSD in Berlin oder im Zuge der Protestwelle gegen die sogenannten »Remigrationspläne« der AfD 2024 auf die Straße, auch wenn sie nicht persönlich betroffen sind?
Jonas Rees: Zum einen, weil wir als soziale Wesen mit anderen mitfühlen und so unsere Empathie ausdrücken. Zum anderen identifizieren wir uns mit Menschen, die uns ähnlich sind – sozialpsychologisch nennen wir das unsere »soziale Identität«. Über diesen Umweg fühlen wir uns miteinander verbunden und dann eben doch auch mitbetroffen. Dazu kommt, dass wir versuchen, unserem Ohnmachtsgefühl etwas entgegenzusetzen und ins Handeln zu kommen. Auf der Straße erleben wir kollektive Selbstwirksamkeit: gemeinsam etwas zu schaffen, was wir allein nicht hinbekommen hätten.

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