Ich weiß nicht, wie die Frau aussah, die mich zum Weinen brachte. Ich stand in der Umkleidekabine eines Secondhandladens und hörte die Unterhaltung nur durch den Vorhang. »Nehmen Sie eigentlich Spenden an?«, fragte die älter klingende Frau die Verkäuferin. Dann begann sie zu erzählen, nüchtern aufgereiht: dass sie allein sei, keine Familie, keine Nachkommen, keine Erben, ihr Mann sei gestorben, viele ihrer Freundinnen auch. Dass sie gerade versuche, ihren Nachlass irgendwie zu sortieren, weil da ja niemand sei, der ihr etwas abnehmen würde. Und ob sie einen Teil ihrer Kleidung und ihrer Bücher vielleicht vorbeibringen dürfe?
KinderlosigkeitWerde ich im Alter einsam sein, weil ich keine Kinder habe?
Aus Heft 18/26
Lesezeit: 8 Min.

Diese Vorstellung hält sich hartnäckig in der Gesellschaft. Aber stimmt sie überhaupt? Oder ist sie eine perfide Drohung gegen Frauen, die sich die Freiheit nehmen, über ihr Leben zu bestimmen?
Von Dorothea Wagner
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