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Vogelmiere ist ein freundliches Kraut, die Pflanze bildet lockere Teppiche und schützt damit den Boden vor Trockenheit und Erosion. Sie wächst schon sehr früh im Jahr und dient allen möglichen Tieren als Nahrung – nicht nur Vögeln. Und wenn die Pflanze sich an einer Stelle ausbreitet, an der ich sie nicht haben mag, dann gibt es kein Kraut, das sich leichter entfernen lässt als die Vogelmiere. Bei mir fühlt sie sich in großen Tomatentöpfen wohl, da ist jetzt noch viel Platz, die Erde für meine Tomaten ist reich an Nährstoffen, das mag die kleine Miere. Und damit wird sie jetzt zum allerersten Salat aus dem Garten, selbst Giersch und Bärlauch fangen gerade erst an zu sprießen, wenn die Vogelmiere schon ihre Blüten öffnet – klein, weiß und sternförmig. Anders als viele andere Wildkräuter sind ihre Blätter nicht bitter, sie schmecken deutlich nach unreifem Mais – also richtig gut. Wenn ich Wildkräuter fürs Abendessen sammele, dann ist das ganze Jahr über fast immer ein wenig Vogelmiere dabei.
In meinem Wurzelsalat geben Vogelmiere und eine zitronige Sauce den winterlichen Wurzeln jede Menge Frühlings-Vibes. Am besten schmeckt mir der Salat, wenn das pürierte Gemüse noch lauwarm ist. Kalt geht aber auch. Manchmal mache ich mir Gedanken was bayerische Vorspeisen sein könnten, im »Bayerischen Kochbuch«, dem Standardwerk, gibt es dazu nicht einmal ein eigenes Kapitel und in vielen bayerischen Gastronomiebetrieben, hört die Auswahl gleich nach Obazdem und Wurstsalat schon wieder auf. Die Kombination von Meerrettich, Rote Bete und Kartoffeln in einer Art modernisiertem Kartoffelkas scheint mir ziemlich gut in die bayerische Küche zu passen. Und die Leichtigkeit der Vogelmiere (es könnten auch andere Wildkräuter sein) transportiert diesen »Kartoffelkas« vom Brezen-Aufstrich in Richtung Vorspeise – so etwas wünsche ich mir für die kommende Biergartensaison!
Zutaten
- 2 Zehen Knoblauch
- Je 300 g Kartoffeln, Möhren und Rote Bete
- 2 EL Rapsöl
- 250 ml Wasser oder Gemüsebrühe
- Salz
- ½ saftige Bio-Zitrone
- Je 3 EL Kürbiskernöl und Rapsöl
- mittelscharfe Chiliflocken, z. B. koreanische Gochugaru
- 3 cm Meerrettichwurzel (optional)
- 4 Eier
- 2 Hände Vogelmiere (oder andere saisonal passende Wildkräuter)
Zubereitung
1.
Knoblauch schälen und hacken. Wurzelgemüse schälen und 2 cm groß würfeln. Knoblauch in zwei kleinen Töpfen mit etwas Öl kurz anschwitzen. In einen Topf die Rote Beten geben, in den anderen Topf Kartoffeln und Karotten. 2 Minuten anschwitzen, dann mit Wasser oder Brühe aufgießen, leicht salzen, zudecken und etwa 15 min weichkochen. Die Flüssigkeit sollte dann weitgehend verdunstet sein.
2.
Zitronenschale fein abreiben, den Saft auspressen. Mit Salz und Chiliflocken würzen, das Öl unterrühren.
3.
Eier in einem breiten Topf mit schwach köchelndem Salzwasser ca. 3 min pochieren (Wer nochmal alle Tipps genau nachlesen will findet sie hier, ziemlich weit unten – fürs Video haben wir die Eier übrigens zweimal pochiert, so richtig extrafrisch wie sie fürs Pochieren sein sollten, waren die Eier nämlich nicht – das Eiweiß hat sich zu sehr im Wasser verteilt statt das Ei zu umhüllen). Wurzelgemüse grob pürieren, zum Beispiel mit einer Gabel, locker mischen und auf 4 Teller verteilen. In der Mitte jeweils ein Ei in eine Vertiefung legen. Die Vinaigrette in die Mulden auf dem Püree geben. Meerrettich schälen und darüber reiben.
4.
Das Püree unter einem Teppich aus Vogelmiere verstecken.

