Hinter dem Schreibtisch der SPD-Abgeordneten Barbara Hendricks hängt ein Panoramafoto von Emmerich. Es zeigt das Rheinufer der ansonsten nicht übermäßig pittoresken Kleinstadt. Auf der anderen Seite des Flusses liegt Kleve, wo Hendricks geboren ist, eine Gegend nahe der Grenze zu den Niederlanden. Sie erinnert sich daran, dass dort bis Anfang der Sechzigerjahre – »Flüchtlingsfamilien aus Schlesien, ihre Kinder gingen mit uns in die Grundschule« –, in ausrangierten Eisenbahnwaggons wohnten. Sie wurden oft abfällig als »Nissenhütten« bezeichnet. Einfache Zweckunterkünfte, nicht nur von armen Menschen bewohnt, sondern auch von allerhand Ungeziefer. Heute stehen dort frisch renovierte Sozialwohnungen, Hendricks weiß das, weil sie an der Stelle immer vorbeigeht, wenn sie das Grab ihrer Eltern besucht.
PolitikHeimatlos
Aus Heft 12/19
Lesezeit: 14 Min.

In Deutschland gab es mal mehr als vier Millionen Sozialwohnungen - heute sind es nach Schätzungen von Experten etwa eine Million. Wie konnte das passieren? Wir haben bei den früheren Bundesbauministerinnen und -ministern nachgefragt.
Von Rainer Stadler
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