Sechster Stock im Bundestag, Blick auf die Reichstagskuppel. Ein ovaler Konferenztisch, freie Platzwahl. »Das drehen wir jetzt mal um«, sagt Horst Seehofer, »ich bin der Linke« – und er setzt sich auf den Stuhl links von Gregor Gysi. Es war länger hin und her gegangen im Vorfeld, wer kommt zu wem, Gysi nach Bayern oder Seehofer nach Berlin? Der Bundestag ist ja gewissermaßen beider Revier, das passte also. Seehofer und Gysi schätzen sich gegenseitig, als Männer mit klarer Haltung. Zwischen ihnen steht der 2018 gefasste Unvereinbarkeitsbeschluss der Union, mit der AfD, aber auch mit der Linken nicht zusammenzuarbeiten. Vor allem darum soll es nun gehen, in Zeiten instabiler demokratischer Mehrheiten.
Politik»Die Menschen wollen Politiker und Politikerinnen, die anpacken und Probleme lösen möchten«
Aus Heft 22/26
Lesezeit: 13 Min.

Horst Seehofer und Gregor Gysi haben auf entgegengesetzten Seiten Politik gemacht. Im Interview sprechen sie über Sinn und Unsinn von Brandmauern in demokratiefeindlichen Zeiten – und eine Herzenssache, die sie verbindet.
Interview von Thomas Bärnthaler und Gabriela Herpell
