PolitikKein gutes Zeichen

Aus Heft 9/13

Lesezeit: 2 Min.

SÄBEL UND KORAN  Islamische Terroristen verweisen in den Logos ihrer Organisationen häufig auf das, was sie als Ursprung ihrer Taten sehen: den Koran. Oft zeigt sich das Buch in Kombination mit Dhu l-faqar, dem Krummschwert des Propheten Mohammed. Die Terroristen verdeutlichen damit bildhaft die Überzeugung, dass ihre Gewalttaten durch zwei wichtige Instanzen des Islam gerechtfertigt sind: Allah und den Propheten. - 1 Gamaa Islamija (Ägypten), 2 Islamische Turkestan-Partei (Zentralasien), 3 Abu Sajaf (Philippinen), 4 Hofstad-Gruppe (Niederlande), 5 Jamaah Ansharut Tauhid (Indonesien).
SÄBEL UND KORAN Islamische Terroristen verweisen in den Logos ihrer Organisationen häufig auf das, was sie als Ursprung ihrer Taten sehen: den Koran. Oft zeigt sich das Buch in Kombination mit Dhu l-faqar, dem Krummschwert des Propheten Mohammed. Die Terroristen verdeutlichen damit bildhaft die Überzeugung, dass ihre Gewalttaten durch zwei wichtige Instanzen des Islam gerechtfertigt sind: Allah und den Propheten. - 1 Gamaa Islamija (Ägypten), 2 Islamische Turkestan-Partei (Zentralasien), 3 Abu Sajaf (Philippinen), 4 Hofstad-Gruppe (Niederlande), 5 Jamaah Ansharut Tauhid (Indonesien). Pressebild

Schon mit ihren Logos wollen Terroristen Angst und Schrecken verbreiten. Aber die Symbole, die sie dafür verwenden, sind nicht immer der Knaller.

Interview: Marco Maurer



Artur Beifuss, 29, hat in Syrien und Ägypten Arabisch studiert und für die UNO jahrelang Gründe und Auswirkungen des internationalen Terrorismus analysiert. Er lebt in Berlin. (Foto: Ralf Zimmermann)

SZ-Magazin: Herr Beifuss, in Ihrem Buch haben Sie die Logos von mehr als 65 Terrororganisationen analysiert. Was hat Sie am meisten überrascht?
Artur Beifuss: Die Qualitätsunterschiede. Bei manchen Gruppen, etwa der Hisbollah (Logo 25), war ein Profi am Werk, die haben sogar eine Abteilung für Fan-Artikel. Andere Logos sehen aus, als hätte sie irgendein Freak in einem Hinterzimmer oder in einer Seitenhöhle konstruiert.

Gibt es einen Zusammenhang  - je professioneller das Logo, desto effektiver die Organisation?  
Nein, denn Terroristen sind ja vor allem Profis an der Waffe, nicht am Computer. Auch wenn du ein schlechtes Logo hast, bist du trotzdem vielleicht ein guter Terrorist und kannst professionell Bomben legen.

Das Logo von al-Qaida sieht eher unscheinbar aus.
Die verwenden nur eine schwarze Flagge mit dem Glaubensbekenntnis des Islam. Damit unterscheiden sie sich kaum von anderen Terrororganisationen. Auch wenn es zynisch klingt - ein Markenprofi würde wohl sagen: Zwei brennende Türme wären ein Top-Logo für al-Qaida.

Wofür brauchen Terrororganisationen überhaupt ein Logo?
Egal ob Terroristen, Luxusmarken oder Coca-Cola: Bei Logos geht es vor allem um ein Versprechen. So steht über dem einen »Enjoy« und über dem Hisbollah-Logo eben »Die Partei Gottes wird siegreich sein«. Bei manchen Organisationen muss man sich aber schon fragen, ob sie sich mit dem Logo wirklich einen Gefallen tun.

Warum?
Der Tiger der Tamil Eelam (Logo 11) sieht zum Beispiel alles andere als bedrohlich aus - eher wie eine Comicfigur. Das Logo repräsentiert am Ende nicht Stärke, sondern man bekommt Mitleid mit dem seltsamen Tier. Am meisten lachen musste ich aber bei der Islamischen Turkestan-Partei (Logo 2). Dort steht links neben dem Logo tatsächlich »Turkistam«, nicht Turkestan. Entweder wurde das in Eile gemacht oder der Terrorist hat eine Rechtschreibschwäche.

Die Farbe des Terrors ist Ihrem Buch nach Rot?
Ja, vor allem wenn es kommunistisch-sozialistischer Terror ist, da haben sich einfach Farbmuster etabliert. Im Islam dagegen ist die Farbe des Kampfes zumeist Schwarz. Beliebt ist auch Grün. Und es gibt noch eine Gemeinsamkeit: Terrorlogos sind oft ziemlich überfrachtet, da sind so viele Symbole drin, dass es irgendwann verwirrend wird.

Woher hatten Sie die Logos?
Wir haben einfach genau hingeschaut, wenn Terroristen öffentlich auftreten - bei Pressekonferenzen, Videonachrichten oder offiziellen Kommuniqués. Doch erst mal mussten wir klären, welche Organisation überhaupt als terroristisch eingestuft wird. Unsere Quelle waren die offiziellen Datenbanken der EU, der USA, Indiens, Russlands und Australiens - aber fast jedes Land hat seine eigenen Listen, was als Terror gilt und was nicht. Der konservative US-Politiker Pat Buchanan sagte mal: »Des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer.«

(Illustrationen aus dem Buch »Branding Terror« von Artur Beifuss und Francesco Trivini Bellini; mit freundlicher Genehmigung von Merrell Publishers Limited;)

HÄNDE  Die Hand steht seit Jahrhunderten für Schöpfung und Zerstörung. Im Fall der Terrororganisationen heißt das: Sie drückt den Abzug, reckt die Waffen, ballt die Faust. Bei Linksextremen ist die Faust ein Bezug auf den Ursprung in der Arbeiterbewegung. Eine Ausnahme zeigt das Logo der Holy Land Foundation (HLF) aus den USA, die auf den ersten Blick wirkt wie eine Hilfsorganisation. Hände legen sich schützend um das heilige Land - doch in Wahrheit unterstützt die HLF den gewaltsamen Widerstand der Palästinenser. - 6 al-Qaida im Irak, 7 Kommunistische Partei (Indien), 8 Kata’ib Hisbollah (Irak), 9 Ulster Freedom Fighters (Nordirland), 10 Holy Land Foundation (USA).
HÄNDE Die Hand steht seit Jahrhunderten für Schöpfung und Zerstörung. Im Fall der Terrororganisationen heißt das: Sie drückt den Abzug, reckt die Waffen, ballt die Faust. Bei Linksextremen ist die Faust ein Bezug auf den Ursprung in der Arbeiterbewegung. Eine Ausnahme zeigt das Logo der Holy Land Foundation (HLF) aus den USA, die auf den ersten Blick wirkt wie eine Hilfsorganisation. Hände legen sich schützend um das heilige Land - doch in Wahrheit unterstützt die HLF den gewaltsamen Widerstand der Palästinenser. - 6 al-Qaida im Irak, 7 Kommunistische Partei (Indien), 8 Kata’ib Hisbollah (Irak), 9 Ulster Freedom Fighters (Nordirland), 10 Holy Land Foundation (USA). Pressebild
TIERE  Tiere wecken Sympathie und demonstrieren Stärke. Vor allem der Adler ist deshalb oft auf Flaggen zu sehen. Bei Terroristen haben Tiere meist einen kulturellen Bezug: So findet sich der Homa - ein mythisches Vogelwesen aus einer iranischen Fabel - im Logo der Nationalen Befreiungsarmee. Die Friedenstaube der Nachfolger der Aum-Sekte soll Besserung geloben: Nach dem Giftgasanschlag in der Tokioter U-Bahn 1995 will die Gruppe nun dem Wohle der Menschheit dienen. Nun ja. - 11 Befreiungstiger von Tamil Eelam (Sri Lanka), 12 Aleph (ehemals: Aum-Sekte, Japan), 13 Freiheitsfalken Kurdistans, 14 Nationale Befreiungsarmee (Iran), 15 Schwarze Adler (Kolumbien), 16 Major Sothiya Brigade (Sri Lanka), 17 ETA (Spanien).
TIERE Tiere wecken Sympathie und demonstrieren Stärke. Vor allem der Adler ist deshalb oft auf Flaggen zu sehen. Bei Terroristen haben Tiere meist einen kulturellen Bezug: So findet sich der Homa - ein mythisches Vogelwesen aus einer iranischen Fabel - im Logo der Nationalen Befreiungsarmee. Die Friedenstaube der Nachfolger der Aum-Sekte soll Besserung geloben: Nach dem Giftgasanschlag in der Tokioter U-Bahn 1995 will die Gruppe nun dem Wohle der Menschheit dienen. Nun ja. - 11 Befreiungstiger von Tamil Eelam (Sri Lanka), 12 Aleph (ehemals: Aum-Sekte, Japan), 13 Freiheitsfalken Kurdistans, 14 Nationale Befreiungsarmee (Iran), 15 Schwarze Adler (Kolumbien), 16 Major Sothiya Brigade (Sri Lanka), 17 ETA (Spanien). Pressebild
DER STERN  Der Stern gehört zu den populärsten Symbolen überhaupt - in vielen Religionen ist er ein Zeichen für Erleuchtung und Ewigkeit. Im Linksextremismus soll er die fünf Gruppen repräsentieren, die es zu erreichen gilt (Arbeiter, Bauern, Intellektuelle, Jugendliche und Soldaten). Die Rote Armee Fraktion kombinierte den Stern mit einer Maschinenpistole von Heckler & Koch. Das RAF-Logo ist laut Experten eines der bekanntesten Gewaltsymbole weltweit - eine Art Mercedes-Stern des Terrorismus. - 18 RAF (Deutschland), 19 Epanastatikos Agonas (Griechenland), 20 Rote Brigaden (Italien), 21 Palästinensische Befreiungsfront, 22 Front der Vorkämpfer für den Islamischen Großen Osten (Türkei), 23 G.R.A.P.O. (Spanien).
DER STERN Der Stern gehört zu den populärsten Symbolen überhaupt - in vielen Religionen ist er ein Zeichen für Erleuchtung und Ewigkeit. Im Linksextremismus soll er die fünf Gruppen repräsentieren, die es zu erreichen gilt (Arbeiter, Bauern, Intellektuelle, Jugendliche und Soldaten). Die Rote Armee Fraktion kombinierte den Stern mit einer Maschinenpistole von Heckler & Koch. Das RAF-Logo ist laut Experten eines der bekanntesten Gewaltsymbole weltweit - eine Art Mercedes-Stern des Terrorismus. - 18 RAF (Deutschland), 19 Epanastatikos Agonas (Griechenland), 20 Rote Brigaden (Italien), 21 Palästinensische Befreiungsfront, 22 Front der Vorkämpfer für den Islamischen Großen Osten (Türkei), 23 G.R.A.P.O. (Spanien). Pressebild
GEWEHRE  Schusswaffen sind das Handwerkzeug der Terrorbanden. Das zeigt sich auch in ihren Logos: Besonders populär ist die russische Kalaschnikow AK-47, die meistproduzierte Maschinenpistole der Welt. Manche Organisationen berufen sich konkret auf Gewehre aus ihrer Heimat, etwa die Anarchistische Föderation Italien (FAI): In ihrem Logo prangt die Beretta SC 70/90, das Sturmgewehr der italienischen Armee. 24 al-Aqsa- Märtyrer-Brigaden (Palästina), 25 Hisbollah (Libanon), 26 Neue Volksarmee (Philippinen), 27 Leuchtender Pfad (Peru), 28 al-Qaida im Maghreb (Algerien), 29 Anarchistische Förderation (Italien), 30 Babbar Khalsa (Indien/Pakistan).
GEWEHRE Schusswaffen sind das Handwerkzeug der Terrorbanden. Das zeigt sich auch in ihren Logos: Besonders populär ist die russische Kalaschnikow AK-47, die meistproduzierte Maschinenpistole der Welt. Manche Organisationen berufen sich konkret auf Gewehre aus ihrer Heimat, etwa die Anarchistische Föderation Italien (FAI): In ihrem Logo prangt die Beretta SC 70/90, das Sturmgewehr der italienischen Armee. 24 al-Aqsa- Märtyrer-Brigaden (Palästina), 25 Hisbollah (Libanon), 26 Neue Volksarmee (Philippinen), 27 Leuchtender Pfad (Peru), 28 al-Qaida im Maghreb (Algerien), 29 Anarchistische Förderation (Italien), 30 Babbar Khalsa (Indien/Pakistan). Pressebild
Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur Startseite

Mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: