Politik»Migration ist Teil der Menschheit«

Aus Heft 17/21

Lesezeit: 3 Min.

»Die Menschen können mir dabei über die Schulter schauen, sie verstehen ohne viele Worte, was ich da tue. Mit einer Kamera wäre das anders, die schüchtert viele Leute ein.« (George Butler) 
»Die Menschen können mir dabei über die Schulter schauen, sie verstehen ohne viele Worte, was ich da tue. Mit einer Kamera wäre das anders, die schüchtert viele Leute ein.« (George Butler)  Foto: Simon Edmunds

Der britische Künstler George Butler will auf die Lage von Menschen in Kriegsgebieten und auf der Flucht aufmerksam machen, indem er zu ihnen reist und sie zeichnet. Zwischen allem Leid findet er immer wieder Momente der Hoffnung und Poesie.

Interview: Till Krause

In Syrien war Butler öfter unterwegs. Bei seinem ersten Besuch 2012 malte er Kinder, die in der Stadt Azaz auf einem ausgebrannten Panzer spielten.
In Syrien war Butler öfter unterwegs. Bei seinem ersten Besuch 2012 malte er Kinder, die in der Stadt Azaz auf einem ausgebrannten Panzer spielten. Pressebild
Ein Jahr später porträtierte Butler den zehnjährigen Bassam, der ein Bein bei einem Luftangriff verloren hatte. Abid, der Vater des Jungen, wachte am Krankenbett. »Kunst ändert nichts«, sagte der Vater. Doch ein anderer Mann ermunterte Butler, sein Bild fertig zu malen und die Welt so am Schrecken des Krieges teilhaben zu lassen.
Ein Jahr später porträtierte Butler den zehnjährigen Bassam, der ein Bein bei einem Luftangriff verloren hatte. Abid, der Vater des Jungen, wachte am Krankenbett. »Kunst ändert nichts«, sagte der Vater. Doch ein anderer Mann ermunterte Butler, sein Bild fertig zu malen und die Welt so am Schrecken des Krieges teilhaben zu lassen. Pressebild
Ein Gefängnis in Azaz.
Ein Gefängnis in Azaz. Pressebild
Die Gewalt in Myanmar eskaliert derzeit. Doch auch 2013, als George Butler dort war, herrschte im Land kein Frieden. Die Minderheit der Rohingya wurde aus ihrer Heimat vertrieben und brutal verfolgt. Da Butler von den Behörden nicht zu den Flüchtlingscamps der Rohingya gelassen wurde, zeichnete er die Zeltstädte der Arbeitsmigranten auf der Suche nach einem besseren Leben.
Die Gewalt in Myanmar eskaliert derzeit. Doch auch 2013, als George Butler dort war, herrschte im Land kein Frieden. Die Minderheit der Rohingya wurde aus ihrer Heimat vertrieben und brutal verfolgt. Da Butler von den Behörden nicht zu den Flüchtlingscamps der Rohingya gelassen wurde, zeichnete er die Zeltstädte der Arbeitsmigranten auf der Suche nach einem besseren Leben. Pressebild
In der ehemaligen Sowjetrepublik war Butler 2015 unterwegs mit Arbeitsmigranten, die mit dem Zug nach Moskau fuhren, um auf Baustellen Geld für ihre Familien zu verdienen. In Russland wurden die Tadschiken oft schlecht behandelt und sehnten sich nach ihrer Heimat.
In der ehemaligen Sowjetrepublik war Butler 2015 unterwegs mit Arbeitsmigranten, die mit dem Zug nach Moskau fuhren, um auf Baustellen Geld für ihre Familien zu verdienen. In Russland wurden die Tadschiken oft schlecht behandelt und sehnten sich nach ihrer Heimat. Pressebild
Viele Menschen aus Syrien und dem Irak machten sich 2015 auf die Flucht nach Europa. Oft endete die Reise in einem der provisorischen Lager im Norden Griechenlands. Dort, im Dorf Idomeni, begegnete Butler einem jungen Iraker namens Ahmed, der sagte: »Wir mussten unser Zuhause verlassen – was blieb uns übrig?«
Viele Menschen aus Syrien und dem Irak machten sich 2015 auf die Flucht nach Europa. Oft endete die Reise in einem der provisorischen Lager im Norden Griechenlands. Dort, im Dorf Idomeni, begegnete Butler einem jungen Iraker namens Ahmed, der sagte: »Wir mussten unser Zuhause verlassen – was blieb uns übrig?« Pressebild
Als Butler 2011 in einem Flüchtlingslager auf eine Familie aus Syrien traf, war er berührt von den Dingen, die sie dabeihatten. In der Eile des Aufbruchs hatten sie einen Karton mit Habseligkeiten mitgenommen, darunter eine nun nutzlose Fernbedienung als Überbleibsel eines Alltags, der unwiederbringlich verloren war. 
Als Butler 2011 in einem Flüchtlingslager auf eine Familie aus Syrien traf, war er berührt von den Dingen, die sie dabeihatten. In der Eile des Aufbruchs hatten sie einen Karton mit Habseligkeiten mitgenommen, darunter eine nun nutzlose Fernbedienung als Überbleibsel eines Alltags, der unwiederbringlich verloren war.  Pressebild
Manche Orte hat George Butler mehrmals bereist. Die irakische Stadt Mossul war im April 2017 eine Frontstadt im Kampf gegen die Terroristen des IS, damals nahm Butler die ausgebrannten Autos als Sinnbild der Zerstörung wahr.
Manche Orte hat George Butler mehrmals bereist. Die irakische Stadt Mossul war im April 2017 eine Frontstadt im Kampf gegen die Terroristen des IS, damals nahm Butler die ausgebrannten Autos als Sinnbild der Zerstörung wahr. Pressebild
Dieses Bild zeigt Mossul etwa ein Jahr später. Der IS war aus der Stadt vertrieben. Allmählich kehrte das Leben in die Stadt zurück, auf Märkten verkauften Leute ihre Waren, und Menschen bauten ihre Häuser wieder auf.
Dieses Bild zeigt Mossul etwa ein Jahr später. Der IS war aus der Stadt vertrieben. Allmählich kehrte das Leben in die Stadt zurück, auf Märkten verkauften Leute ihre Waren, und Menschen bauten ihre Häuser wieder auf. Pressebild

SZ-Magazin: Sie reisen seit vielen Jahren durch Krisengebiete wie Syrien oder Afghanistan, um dort die Menschen zu zeichnen. Wie reagieren die auf Sie?
George Butler: Ich werde fast immer sehr freundlich empfangen. Ich glaube, dass ich es viel einfacher habe, als ein Fotograf es hätte.

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