Sie telefoniert viel mit ihrer Familie. Mit den Großeltern, die sie nicht mehr besuchen darf. Mit der Schwester, die mit ihrem Kind zu Hause ist und der sie nicht helfen darf. Vor allem mit der Mutter, die Krankenpflegerin in Berlin ist. »Meine Mutter ist über 60 Jahre alt. Und gerade wurde ihre Arbeitszeit in Notfällen auf zwölf Stunden am Tag verlängert. Sie ist mit Infizierten in Kontakt. Meine Mutter berichtet von dem Enthusiasmus, mit dem sie Desinfektionsmittel mixen und die Laune hochhalten. Es ist schon sehr, sehr, sehr bewundernswert.« Früher, sagt Luisa Neubauer, wenn sie den Leuten erzählte, als was ihre Mutter arbeite, sei die Reaktion fast schon geringschätzig ausgefallen. Wie? Keine Ärztin? »Und jetzt«, sagt sie, »wird ein neuer Ton angeschlagen: Ah toll, eine Kämpferin an der Front.« Der allgemeine Blick habe sich verschoben: der auf die Mutter, und der auf sie und ihre Bewegung: FFF, Fridays for Future.
PolitikStiller Protest
Aus Heft 16/20
Lesezeit: 16 Min.

Kaum jemand redet im Moment vom Klima, Demonstrationen sind unmöglich. Was bedeutet das für die Zukunft von Fridays for Future? Einblicke in das Innere der Bewegung.
Von Till Krause und Lorenz Wagner
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