Neue Fotografie»Meine Bilder machen Lust aufs Altwerden«

Lesezeit: 2 Min.

Emma Martina Luigia Morano-Martinuzzi kam am 29. November 1899 auf die Welt und wuchs mit ihren sieben Geschwistern in dem kleinen norditalienischen Dorf Civiasco auf. Sie ist laut Guinness Buch der Rekorde die derzeit älteste lebende Frau der Welt und die einzige, die vor 1900 geboren ist.
Emma Martina Luigia Morano-Martinuzzi kam am 29. November 1899 auf die Welt und wuchs mit ihren sieben Geschwistern in dem kleinen norditalienischen Dorf Civiasco auf. Sie ist laut Guinness Buch der Rekorde die derzeit älteste lebende Frau der Welt und die einzige, die vor 1900 geboren ist.
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Emma Morano ist mit 117 Jahren der älteste Mensch der Welt und als letzte lebende Person vor dem Jahr 1900 geboren. Der Fotograf Karsten Thormaehlen hat die Italienerin in ihrer Wohnung am Lago Maggiore besucht - und war froh, dass sie ihn nicht gekratzt hat.

Von: Konstantin Schätz

N

Name: Karsten Thormaehlen
Alter: geboren 1965 in Bad Kreuznach
Ausbildung: Diplom in Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Wiesbaden
Wohnort: Wiesbaden
Website: www.karstenthormaehlen.com

Wie kam es denn zu dem Fotoshooting mit dem ältesten Menschen der Welt?
Ich fotografiere seit mehr als zehn Jahren ganz bewusst alte Menschen. Im Sommer 2015 hatte ich die Möglichkeit, Susanah Mushatt Jones zu fotografieren, eine US-Amerikanerin, die bis zu ihrem Tod im Mai diesen Jahres als der älteste Mensch der Welt galt. Nachdem sie verstarb, gehört dieser Titel nun der Italienerin Emma Morano. Sie ist so weit bekannt ist der letzte Mensch, der 1899 auf die Welt kam und drei Jahrhunderte miteinander verbindet. Ich habe mich dann während meines Urlaubs in Verbania am Lago Maggiore ein bisschen umgehört. Mithilfe eines Hotelportiers konnte ich Emma Morano ausfindig machen und Kontakt aufnehmen. Ich habe sie dann am Tag meiner Abreise zwischen dem Besuch des Pfarrers und ihrem Mittagessen fotografieren dürfen.

Wie darf man sich Emma Morano vorstellen?
Man hat mir gesagt, dass die Journalistin oder Wissenschaftlerin, die am Vortag da war, gekratzt wurde, weil Emma keine Lust mehr hatte. Ich fand ihren Dickkopf lustig. Auf meinen Bildern sind immer alle gut angezogen. Dass sie ihre Kittelschürze anbehalten wollte, hat meine Arbeit zwar nicht erleichtert, aber ich würde sagen, dass das Schwarz-Weiß-Porträt das schönste Bild ist, das je von ihr gemacht wurde. Sie hat sich teilweise auch bemüht, indem sie mal verschmitzt lächelte und sich in Pose gesetzt hat. Ich hatte insgesamt das Gefühl, sie mochte mich. Ich war jedenfalls weit davon entfernt, gekratzt zu werden.

Sie sind Werbefotograf und Porträtfotograf alter Menschen. Wie lässt sich das verbinden?
Ich war immer schon auf der Suche nach einem ästhetischen Wert in allem, was ich fotografiere. Auch in der Werbung ist es so, dass man die Besonderheiten sucht, um es dann im perfekten Winkel und im perfekten Licht zu fotografieren. Aber ich versuche einfach die positiven Seiten des Alters in meinen Bildern zu zeigen. Das war durchgehend mein roter Faden.

Ist diese Positivität der Grund für den Erfolg Ihrer Bilder?
Es gibt genug Fotografen, die die negativen Seiten ausleuchten. Ich blende die Gebrechen aus. Obwohl ich da meistens gar nichts ausblenden muss. Denn die meisten sind kerngesund und geistig topfit. Und auch die Allerältesten freuen sich noch über einen Sonnenaufgang und ein gutes Essen. Wenn ich es schaffe, das in meinen Bildern zu vermitteln, dann hab ich da schon viel gewonnen. Die Aufnahmen wurden in 50 deutschen Städten ausgestellt und ich bin gerade dabei, das dritte Buch zu machen. Die Leute erfreuen sich an glücklichen alten Menschen.

Und was halten Ihre Modelle von den Aufnahmen?
Natürlich kam es auch schon mal vor, dass einige sich nicht gut getroffen gefühlt haben. Das ist natürlich Berufsrisiko - ähnlich wie gekratzt werden. Aber die meisten sehen hinterher die Bilder an und sagen, dass sie gut getroffen wurden und sie das absolut toll finden. Deswegen geben sie die Bilder ja dann auch für die Bücher frei. Bei den Allerältesten ist es immer ein Stück weit Glückssache, ob man ein Feedback bekommt. Von Emma Morano habe ich leider keins bekommen.

Hat sich Ihre Sichtweise auf das Älterwerden positiv geändert?
Absolut. Meine alten Modelle machen Lust aufs Altwerden. Man kann von glücklichen Alten viel lernen. Dass es zum Beispiel nicht darauf ankommt, wie viel Geld man verdient, sieht man an dem Bild von Emma Morano sehr deutlich. Das sind ganz einfache Verhältnisse. Ein Zimmer in einer Wohnung. Viel wichtiger ist der Zusammenhalt, die Nachbarn, die Freunde. Dieses menschliche Miteinander, das ist es, was das Leben lebenswert macht.

Fotos: Karsten Thormaehlen

Seit Mitte der 1980er Jahre wohnt Emma Morano in einer kleinen Wohnung eines fast fünfhundert Jahre alten Hauses im Stadtteil Pallanza. Direkt daneben ist die Chiesa Collegiata di San Leonardo aus dem 16. Jahrhundert. Allwöchentlich und an den Feiertagen besucht sie der Priester zuhause und erteilt ihr die Heilige Kommunion.
Seit Mitte der 1980er Jahre wohnt Emma Morano in einer kleinen Wohnung eines fast fünfhundert Jahre alten Hauses im Stadtteil Pallanza. Direkt daneben ist die Chiesa Collegiata di San Leonardo aus dem 16. Jahrhundert. Allwöchentlich und an den Feiertagen besucht sie der Priester zuhause und erteilt ihr die Heilige Kommunion.
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Seit dem Tod der US-Amerikanerin Susannah Mushatt Jones im Mai dieses Jahres ist Emma Morano mit ihren 116 Jahren der älteste Mensch der Welt. Regelmäßig wird sie von Altersforschern, Medizinern und Journalisten besucht, die versuchen herauszufinden, was das „Geheimnis“ ihres langen Lebens ist.
Seit dem Tod der US-Amerikanerin Susannah Mushatt Jones im Mai dieses Jahres ist Emma Morano mit ihren 116 Jahren der älteste Mensch der Welt. Regelmäßig wird sie von Altersforschern, Medizinern und Journalisten besucht, die versuchen herauszufinden, was das „Geheimnis“ ihres langen Lebens ist.
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Seit ihrem 20. Lebensjahr verzehre sie jeden Tag zwei rohe und ein gekochtes Ei, so Emma Morano. Dazu riet ihr einst ein Arzt, um ihre Blutarmut zu bekämpfen. Mittags gebe es meist etwas rohes Rinderhack – ohne Beilagen.  Zum Nachtisch esse sie etwas Apfelmus, eine Banane, Schokolade oder Colomba Pasquale, ein traditionelles italienisches Hefegebäck in Taubenform. Zu hausgebranntem Grappa sage sie ebenfalls nicht Nein.
Seit ihrem 20. Lebensjahr verzehre sie jeden Tag zwei rohe und ein gekochtes Ei, so Emma Morano. Dazu riet ihr einst ein Arzt, um ihre Blutarmut zu bekämpfen. Mittags gebe es meist etwas rohes Rinderhack – ohne Beilagen.  Zum Nachtisch esse sie etwas Apfelmus, eine Banane, Schokolade oder Colomba Pasquale, ein traditionelles italienisches Hefegebäck in Taubenform. Zu hausgebranntem Grappa sage sie ebenfalls nicht Nein.
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Emma Morano heiratete 1926 und bekam ein Kind, das aber nur wenige Monate nach der Geburt verstarb. Die Ehe verlief unglücklich, und als sie 1938 ihren Mann verließ, wäre sie dafür beinahe zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Denn die Scheidung ist erst seit Dezember 1970 in Italien erlaubt. An potentiellen Nachfolgern habe es nie gemangelt, sagt sie heute, aber fest binden wollte sie sich nicht mehr: »Ich mochte mich niemandem mehr unterordnen.« Schließlich glaubt sie, das Alleinsein zusammen mit ihrem Optimismus habe sie so alt werden lassen.
Emma Morano heiratete 1926 und bekam ein Kind, das aber nur wenige Monate nach der Geburt verstarb. Die Ehe verlief unglücklich, und als sie 1938 ihren Mann verließ, wäre sie dafür beinahe zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Denn die Scheidung ist erst seit Dezember 1970 in Italien erlaubt. An potentiellen Nachfolgern habe es nie gemangelt, sagt sie heute, aber fest binden wollte sie sich nicht mehr: »Ich mochte mich niemandem mehr unterordnen.« Schließlich glaubt sie, das Alleinsein zusammen mit ihrem Optimismus habe sie so alt werden lassen.
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Noch als Teenager verließ sie wegen der kalten Winter Villadossola, einem zu dieser Zeit wichtigen Standort der Eisen-, Stahl- und chemischen Industrie und zog ins klimatisch mildere Verbania, eine Stadt am Lago Maggiore. Dort fand sie eine Anstellung in einer Fabrik, die Jutesäcke herstellte. Später arbeitete Emma Morano in einem katholischen Internat als Köchin, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 1974 ihr Geld verdiente.
Noch als Teenager verließ sie wegen der kalten Winter Villadossola, einem zu dieser Zeit wichtigen Standort der Eisen-, Stahl- und chemischen Industrie und zog ins klimatisch mildere Verbania, eine Stadt am Lago Maggiore. Dort fand sie eine Anstellung in einer Fabrik, die Jutesäcke herstellte. Später arbeitete Emma Morano in einem katholischen Internat als Köchin, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 1974 ihr Geld verdiente.
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Emma ist schwerhörig und sieht nicht mehr gut, geistig ist die alte Dame aber noch ziemlich rege. An ihrem 116. Geburtstag sang sie ihren Gästen sogar ein Ständchen, aus Freude darüber, dass ihr Papst Franziskus seinen apostolischen Segen erteilte.
Emma ist schwerhörig und sieht nicht mehr gut, geistig ist die alte Dame aber noch ziemlich rege. An ihrem 116. Geburtstag sang sie ihren Gästen sogar ein Ständchen, aus Freude darüber, dass ihr Papst Franziskus seinen apostolischen Segen erteilte.
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Ihr Hausarzt, der sie seit ihrem 90. Lebensjahr betreut, bestätigt, dass sie so gut wie keine Medikamente benötigt: »Hätte ich nur Patienten wie sie, könnte ich meine Tage im Café mit Zeitunglesen verbringen,« scherzt er. Angst vor dem Tod hat Emma nicht: »Wenn mich der Herrgott holt, dann holt er mich, aber im Moment halt noch nicht.«
Ihr Hausarzt, der sie seit ihrem 90. Lebensjahr betreut, bestätigt, dass sie so gut wie keine Medikamente benötigt: »Hätte ich nur Patienten wie sie, könnte ich meine Tage im Café mit Zeitunglesen verbringen,« scherzt er. Angst vor dem Tod hat Emma nicht: »Wenn mich der Herrgott holt, dann holt er mich, aber im Moment halt noch nicht.«
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