SZ-Magazin: Herr Drosten, Herr Wohlleben, die NASA hat bekannt gegeben, dass auf der ISS mutierte Bakterienstämme entdeckt wurden. Ableger des Enterobacter bugandensis, bekannt für seine Multiresistenz. Diese Stämme haben sich jetzt fern der Erde verändert, und keiner weiß, was passiert, wenn sie auf die Erde kommen. Beginnen so Horrorfilme, oder ist das für Sie business as usual?
Peter Wohlleben: Ach, multiresistente Bakterien werden auch im Permafrost entdeckt. Und der Abstand – na ja, es gibt Bakterien, die in uralten Höhlen, definitiv ohne Kontakt zur modernen Welt, Resistenzen entwickelt haben, die zufälligerweise auch moderne Antibiotika betreffen. Noch kein Grund zur Sorge. Aber das können Sie vielleicht besser beantworten, Herr Drosten.
Christian Drosten: Bei einem Enterobacter würde ich erstmal davon ausgehen, das kommt von Menschen, ist vielleicht von Astronauten hinterlassen worden. Ohne weitere Informationen wäre mein Bauchgefühl nicht, dass das eine Gefahr für die Allgemeinheit ist.
Wissenschaft»Ich glaube wirklich, dass wir als Menschheit die Kurve kriegen können «
Aus Heft 18/26
Lesezeit: 14 Min.

In Peter Wohllebens neuem Buch bezeichnet er Bakterien als heimliche Herrscher des Planeten. Christian Drosten erforscht tödliche Viren. Ein Gespräch über die Bedrohungen des Lebens, die Kritik an ihrer Arbeit und die Frage, ob Computerviren eigentlich lebendig sind.
Interview von Max Fellmann