NaturAusgesummt

Aus Heft 48/13

Lesezeit: 2 Min.

I NDIEN  Überall auf der Welt verschwinden die Bienen, im Bundesstaat Tamil Nadu verschwinden die Imker: 62 Jahre alt ist der Honigjäger, 60 Meter hoch die Seilleiter an einer Steilwand im Dschungel, 65 Bienenstöcke gibt es dort. 40 Jahre lang klettert der Mann schon in die Steilwand. Aber immer weniger Menschen wollen im südindischen Dschungel leben.
INDIEN Überall auf der Welt verschwinden die Bienen, im Bundesstaat Tamil Nadu verschwinden die Imker: 62 Jahre alt ist der Honigjäger, 60 Meter hoch die Seilleiter an einer Steilwand im Dschungel, 65 Bienenstöcke gibt es dort. 40 Jahre lang klettert der Mann schon in die Steilwand. Aber immer weniger Menschen wollen im südindischen Dschungel leben. Pressebild

Die Bienen drohen auszusterben. Das bedeutet nicht nur weniger Honig auf dem Brot, sondern auch weniger natürliche Bestäubung auf Feldern und Wiesen. Und das hat Folgen für uns alle: Dreißig Prozent der gesamten Lebensmittel-Ernte der Menschheit hängt von den Bienen ab. Unser Fotograf hat Imker auf der ganzen Welt bei ihrer Arbeit begleitet.

Von: Lars Reichardt

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Rudolf Steiner, der österreichische Esoteriker, hat die Katastrophe vor knapp hundert Jahren vorausgesagt: Die Veränderung der Bienenstöcke und die Industrialisierung des Imkerns werde in etwa neunzig Jahren zu einem großen Bienensterben führen. Albert Einstein hat man das berühmte Zitat über den Bienentod allerdings nur in den Mund gelegt: »Erst sterben die Bienen, dann die Pflanzen und die anderen Tiere, am Schluss der Mensch.« Das Verschwinden der Bienen wäre tatsächlich eine Katastrophe: Auf Honig, die älteste Süßspeise der Menschheit, könnten die Menschen verzichten, doch Bienen bestäuben die Blüten und sichern die Ernte. Ein Drittel aller Lebensmittel des Menschen hängt direkt von der Honigbiene ab.

Man weiß, dass in Teilen der USA das große Sterben schon lange eingesetzt hat: Siebzig bis achtzig Prozent der Bienenvölker sterben dort in jedem Winter ab, in Deutschland waren es in den vergangenen zehn Jahren etwa ein Drittel aller Völker, fünf bis zehn Prozent galten lang als normaler Wert. In westlichen Großstädten geht es den Bienen inzwischen besser als auf dem Land, sie finden mehr Nahrung und die Temperaturen bleiben länger mild. Man vermutet, dass das Bienensterben mehrere Ursachen hat: die moderne Landwirtschaft mit bienenschädlichen Insektiziden und Monokulturen, vor allem aber die Varroamilbe. Sie ist der größte Bienenkiller.

Bis auf Australien und die Antarktis ist heute kein Kontinent mehr frei von der Milbe. Dennoch geht es wilden Bienenvölkern in einigen Ländern Asiens und Südostasiens noch besser, auch in Indien. Die dort heimische östliche Honigbiene, Apis cerana, hat sich an die Varroamilbe besser angepasst als die im Westen und Afrika verbreitete Apis mellifera. Trotzdem haben China und Japan zuletzt drastische Verluste gemeldet, genau wie Ägypten und der gesamte Nahe Osten. Aber in Kamerun, wo eigentlich auch die anfälligere Apis mellifera beheimatet ist, gehen traditionell immer noch Kinder auf die Suche nach Bienen, ihre Eltern räuchern die Bienenstöcke aus und bringen die Honigwaben in Bananenblättern nach Hause, so wie man das dort seit Jahrhunderten macht.

Die Lage ist unübersichtlich, erst recht sind es die Rettungsvorschläge: Einige Imker experimentieren mit baulich veränderten Bienenstöcken oder mit unterschiedlichen Züchtungen und suchen in den Studien von Bruder Adam, einem legendären Imker und Benediktinermönch aus England, nach einer Idee. 98 Jahre alt ist der Mönch geworden, der in den Zwanzigerjahren schon einmal einen Weg fand, wie eine damals
in England grassierende Bienenseuche zu bezwingen war.

Fotos: Eric Tourneret

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ÄTHIOPIEN  Im Omo-Tal hat jede Familie ihre eigenen Bienenstöcke. Die alten Menschen bis zu achtzig, die jungen ein Dutzend. Sie stellen die Bienenstöcke im Februar in den Bäumen auf, die Bienen kommen von allein. Geerntet wird nur nachts, denn afrikanische Bienen sind besonders aggressiv und bei Dunkelheit sind die meisten irgendwo unterwegs.
ÄTHIOPIEN Im Omo-Tal hat jede Familie ihre eigenen Bienenstöcke. Die alten Menschen bis zu achtzig, die jungen ein Dutzend. Sie stellen die Bienenstöcke im Februar in den Bäumen auf, die Bienen kommen von allein. Geerntet wird nur nachts, denn afrikanische Bienen sind besonders aggressiv und bei Dunkelheit sind die meisten irgendwo unterwegs. Pressebild
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LONDON  Boris Johnson, der Bürgermeister, hat London schon vor den Olympischen Spielen zur bienenfreundlichen Stadt ausgerufen. Fünfzig Bienenhäuser wurden gebaut, mehr als 2000 Gärten mit bienengenehmen Pflanzen angelegt, Städter animiert, sich als Hobbyimker zu versuchen. In New York oder Frankfurt schreckt die neue Imker-Generation nicht einmal davor zurück, ihre Bienenstöcke auf Hochhäuser zu stellen.
LONDON Boris Johnson, der Bürgermeister, hat London schon vor den Olympischen Spielen zur bienenfreundlichen Stadt ausgerufen. Fünfzig Bienenhäuser wurden gebaut, mehr als 2000 Gärten mit bienengenehmen Pflanzen angelegt, Städter animiert, sich als Hobbyimker zu versuchen. In New York oder Frankfurt schreckt die neue Imker-Generation nicht einmal davor zurück, ihre Bienenstöcke auf Hochhäuser zu stellen. Pressebild
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KAMERUN  Die Adamawa-Hochebene ist ein wahres Bienenparadies: Honigsammler locken die Bienen mit Citronella in die länglichen Bienenhäuser. Wenn sie den Honig mit bloßen Händen aus den Häusern holen, die oft in 15 Meter hohen Bäumen stecken, besprühen sie sich mit einem Pflanzensaft, um nicht gestochen zu werden.
KAMERUN Die Adamawa-Hochebene ist ein wahres Bienenparadies: Honigsammler locken die Bienen mit Citronella in die länglichen Bienenhäuser. Wenn sie den Honig mit bloßen Händen aus den Häusern holen, die oft in 15 Meter hohen Bäumen stecken, besprühen sie sich mit einem Pflanzensaft, um nicht gestochen zu werden. Pressebild
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NEPAL  Im Himalaja sind nicht nur die Berge, sondern auch die Bienen riesig: Bis zu 50 000 Bienen bauen ihr Nest an Felsvorsprüngen, nur zwanzig Kilometer vom Mount Everest entfernt, auf 2000 Meter Höhe. Die meisten Honigsammler gehen in die Wände, in denen schon ihre Großväter geerntet haben.
NEPAL Im Himalaja sind nicht nur die Berge, sondern auch die Bienen riesig: Bis zu 50 000 Bienen bauen ihr Nest an Felsvorsprüngen, nur zwanzig Kilometer vom Mount Everest entfernt, auf 2000 Meter Höhe. Die meisten Honigsammler gehen in die Wände, in denen schon ihre Großväter geerntet haben. Pressebild
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CHINA  In der Provinz Yunnan sind Bienen eine Touristenattraktion: Menschen aus der Großstadt fahren viele Kilometer, um Imker bei der Honigernte zu beobachten oder dabei, wie die Bienen ihren ganzen Kopf bedecken. Im Februar blühen die Rapsfelder von Luoping im Süden Chinas, dann kommen die Bienen, die Imker und die Städter.
CHINA In der Provinz Yunnan sind Bienen eine Touristenattraktion: Menschen aus der Großstadt fahren viele Kilometer, um Imker bei der Honigernte zu beobachten oder dabei, wie die Bienen ihren ganzen Kopf bedecken. Im Februar blühen die Rapsfelder von Luoping im Süden Chinas, dann kommen die Bienen, die Imker und die Städter. Pressebild
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Eric Tourneret hat acht Jahre lang auf der ganzen Welt Bienen fotografiert und in Frankreich bereits zwei Bildbände veröffentlicht - unter anderem mit den Fotos auf den vorhergehenden Seiten. Außerdem hat er für das französische Fernsehen einen Dokumentarfilm über Bienen gedreht.

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