Sie beugen die Köpfe tief über den Arbeitstisch. Da liegen neben einer Stickmaschine gehäkelte Kreise, bestickt mit schwarzen Puscheln. Barbara Ludwig, die Stickerin, greift aus einer Plastikbox ein Büschel weißer Seidenfäden, drückt es mit ihren Fingerkuppen zusammen und stickt es ebenfalls auf einen gehäkelten Kreis, zwischen zwei schwarze Puschel. So entsteht eine Abfolge aus schwarzen und weißen Puscheln. Der Auftrag kommt von einem französischen Modehaus. Die bestickten Kreise sollen dessen Kleidungsstücke schmücken. »Daran arbeitet gerade fast das ganze Haus«, sagt Stefan Glass, der Leiter der Stickerei Müller. Es herrscht Zeitdruck. Insgesamt 100 Meter der Puschel-Reihen müssen sie in den nächsten Tagen anfertigen. 30 haben sie.
ModeDie Stickerinnen, die kein Modelabel im Stich lassen
Aus Heft 8/26
Lesezeit: 6 Min.

Wenn die Designer von Chanel, Givenchy oder Balenciaga nicht mehr weiterwissen, rettet sie die Stickerei Müller aus Diespeck, Franken. Dort kann man nämlich auch Entwürfe umsetzen, die kaum jemand sonst auf der Welt hinbekommt.
Von Trisha Balster Fotos: Fritz Beck
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