LiteraturNeuauflage

Aus Heft 25/17

Lesezeit: 15 Min.

Mädchen, das nach dem Tod der Mutter in Berlin landet - an dem Motiv hat sich Hegemann jetzt abgearbeitet. »Wurde ja auch mal Zeit«, sagt sie selbst.
Mädchen, das nach dem Tod der Mutter in Berlin landet - an dem Motiv hat sich Hegemann jetzt abgearbeitet. »Wurde ja auch mal Zeit«, sagt sie selbst. Foto: Claudia Klein

Hoffnung der jungen deutschen Literatur oder Plagiatorin? Für Helene Hegemann war der Erfolg ihres Debütromans »Axolotl Roadkill« Fluch und Segen zugleich. Jetzt hat sie ihren Bestseller selbst verfilmt - auch, um mit einem Missverständnis aufzuräumen.

Von Lara Fritzsche

D

Die Dolmetscherin schwitzt. In der einen Hand hat sie einen Kuli, den sie zwischen den Fingern kreisen lässt, mit der anderen Hand stützt sie den Kopf auf, wischt hin und wieder den Schweiß von der Stirn in den Haar­ansatz und knetet dann die Schläfen. Das alles nur nebenbei. Die volle Konzentration liegt auf dem Sprechen. Sie übersetzt Helene Hegemann simultan. Hegemann spricht Deutsch, und der Raum ist voller Franzosen. Eine Literaturveranstaltung des Goethe-Instituts in Nancy Anfang Juni. Helene Hegemann redet sehr schnell, aber das ist es nicht, was der Dolmetscherin so zusetzt: »Bei Hegemann kommt man mit dem nicht weiter, was man in der Ausbildung lernt«, sagt sie später. Die gewohnten Regeln lassen sich auf diese 25-jährige Autorin nicht anwenden, es ist schwierig, sie zu fassen. Die Dolmetscherin spricht nur über ihren Versuch, Hegemanns Sprache zu übersetzen - aber was sie sagt, gilt auch für die ganze Person. »Zum Beispiel der Plausi-Test«, erklärt sie: »Völlig nutzlos.«

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