Literatur»Gott will nicht, dass ich schreibe. Ich aber, ich muss«

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Leben im Schatten: Die Werke von Franz Kafka gehören zum Kanon der Weltliteratur, wurden aber großteils erst nach seinem Tod veröffentlicht.
Leben im Schatten: Die Werke von Franz Kafka gehören zum Kanon der Weltliteratur, wurden aber großteils erst nach seinem Tod veröffentlicht. Illustration: Benjamin Güdel

Franz Kafka ist einer der bedeutendsten Schriftsteller der Geschichte. Vor fast 100 Jahren starb er als noch junger Mann. Das SZ-Magazin befragt ihn posthum: ein Gespräch, in dem alle Antworten aus Kafkas Werken, Tagebüchern, Briefen und Notizen stammen.

Interview: Sven Michaelsen

Eine private Lungenheilstätte mit nur zwölf Zimmern im Dorf Kierling bei Wien im Mai 1924. Der 40 Jahre alte Patient aus dem Einzelzimmer im zweiten Stock spricht mit heiserer Stimme, sein Atem rasselt, immer wieder wird er von Hustenanfällen geschüttelt. Die Schmerzen im entzündeten Kehlkopf machen ihm das Schlucken fast unmöglich. Die Ärzte haben ihn aufgegeben, eine Therapie gegen Lungentuberkulose gibt es noch nicht. Dass der Kranke in den nächsten Tagen oder Wochen sterben wird, verschweigt man ihm auf Wunsch seiner 26 Jahre alten Lebensgefährtin, die ein leer stehendes Patientenzimmer bezogen hat. Die Verkündung des Urteils, das ist ihre unverrückbare Überzeugung, wäre gleichbedeutend mit dessen Vollstreckung.

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