Literatur»Ich glaube, meine Romane sind Komödien«

Aus Heft 15/23

Lesezeit: 14 Min.

John Irving ist 81 Jahre alt und sitzt weiterhin jeden Tag acht ­Stunden am Schreibtisch. Sein Roman  Der letzte Sessellift  erscheint am 26. April im Diogenes-Verlag.
John Irving ist 81 Jahre alt und sitzt weiterhin jeden Tag acht ­Stunden am Schreibtisch. Sein Roman Der letzte Sessellift erscheint am 26. April im Diogenes-Verlag.
Christopher Wahl

Der US-Schriftsteller John Irving hat sein bisher längstes Buch verfasst. Im Interview spricht er über Tätowierungen, unkonventionelle Familienverhältnisse und die Ähnlichkeit des Romaneschreibens mit dem Zusammenkoppeln von Eisenbahnzügen.

Interview: Lars Reichardt Fotos: Christopher Wahl

SZ-Magazin: In Ihrem jüngsten Roman wird Adam, ein Schriftsteller und der Ich-Erzähler, gefragt, ob Schriftsteller immer Sätze von ihren Bekannten stehlen. Sind Sie ein Dieb?
John Irving: Aber sicher doch. Graham Greene hat das so ausgedrückt, wie es mir am besten passt, als er gefragt wurde, woher seine Figuren kommen: Eine Romanfigur stammt fast nie von einer einzigen realen Person, sondern sie ist eine Mischung aus vielen Menschen – ein Dialog von einem, die Art, die Hände zu bewegen, von jemand anderem. Eine Person allein wäre auch kaum unter­haltsam genug, mindestens vier, fünf braucht es. Wenn ich mir meine Figuren hinterher ansehe, weiß ich allerdings meistens, von wem ich was gestohlen oder vielmehr ge­liehen habe.

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