Schriftstellerin Rachel Cusk im Interview»Überall wird die Uhr des Feminismus zurückgedreht«

Aus Heft 35/26

Lesezeit: 12 Min.

Rachel Cusk hat zwei erwach­sene Töchter. Vom Vater lebt sie getrennt.
Rachel Cusk hat zwei erwach­sene Töchter. Vom Vater lebt sie getrennt.
Foto: Emma Burlet

Die Schriftstellerin Rachel Cusk steht für eine radikal weibliche Stimme. Ein Gespräch über die Befreiung von der Familie, schockierte Leser und den Wunsch, künstliche Intelligenz auszutricksen.

Interview von Nele Sophie Karsten

Waldbrände bedrohen im Sommer 2026 Bordeaux. Einhundertfünfzig Kilometer nördlich aber ist alles friedlich. Ein Julitag in einem Dorf der Region Charente-Maritime an der französischen Atlantik­küste. Feigenbäume, Stock­rosen, pastellgrüne Fensterläden. Hier liegt das Landhaus von Rachel Cusk, in das sie flieht, wenn ihr Paris zu eng wird. Auch aus Protest gegen den Brexit zog Cusk 2021 nach Frankreich. Cusk gilt als eine der umstrittensten Schriftstellerinnen Groß­britan­niens. Bekannt wurde sie mit einem auto­biografischen Buch, Lebenswerk, das die idealisierte Vorstellung von Mutterschaft zerschlug. Ihre Romane sind geprägt von einem präzisen, nüchternen Stil und der Frage, was es bedeutet, als Frau zu leben. Anfang September erscheint ihr jüngster Roman Das Leben der M. Zum Interview rollt sie auf einem E-Bike heran. In das Gespräch krakeelt immer wieder ein Hahn hinein. Cusk lacht darüber.

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