Emmanuel Carrère öffnet in Strümpfen die Tür zu seiner Wohnung in der Rue du Faubourg-Saint-Denis in Paris, einer Straße, die in Immobilienanzeigen »lebendig« genannt würde, voll mit jungen Menschen, Graffiti, Taubendreck, Döner-Läden, es gibt das »Munich Kebab« und das beliebte Bistro »Chez Jeannette«, vor dem noch mal mehr junge Menschen auf dem Bürgersteig stehen. Carrère trägt ein Jeanshemd in der perfekten Blauwaschung, nicht zu hell, nicht zu dunkel, sondern in der Farbe des Mittelmeers im Frühjahr. Er bittet ins Wohnzimmer, das zugleich Ess- und Arbeitszimmer ist. An einem großen eckigen Tisch gibt es genug Stühle für eine Schulklasse. Links neben dem Fenster steht ein Schreibtisch. Hier, an einem Laptop, mit Blick gegen die Wand, arbeitet einer der bekanntesten französischen Gegenwartsautoren, der auch im Ausland mit Begeisterung gelesen wird.
Literatur»Ich glaube, es gibt eine große Nachfrage nach der Wahrheit«
Aus Heft 51/20
Lesezeit: 14 Min.

Der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère erzählt Geschichten, die sich wirklich zugetragen haben, und macht sich selbst zum Teil der Handlung. Im Interview spricht er über die Probleme, die das mit den übrigen Figuren dieser Bücher mit sich bringt – etwa seiner Ex-Frau.
Interview: Johanna Adorján Foto: Richard Dumas