Literatur»Ich musste unterschreiben, dass ich alle Morddrohungen gesehen habe«

Aus Heft 37/21

Lesezeit: 12 Min.

Heute gibt Ellis gern mal den seriösen älteren Herrn und versucht vom Schreibtisch aus mit einem erfolgreichen Podcast die Welt zu erklären. Seine zumindest.
Heute gibt Ellis gern mal den seriösen älteren Herrn und versucht vom Schreibtisch aus mit einem erfolgreichen Podcast die Welt zu erklären. Seine zumindest. Foto: Quentin De Briey, fotografiert für Interview Magazin

Vor 30 Jahren erschien der größte Skandal­roman der jüngeren Literatur­geschichte. Die halbe Welt hasste »American Psycho«, Kritiker riefen zum Boykott auf, Menschen wollten den Autor tot sehen. Ein Rückblick mit Bret Easton Ellis.

Interview: Max Fellmann

Kaum ein Roman des vergangenen halben Jahrhunderts hat soviel Kontroverse und Hass hervorgerufen wie »American Psycho«. Vor 30 Jahren erschien die Geschichte des Wall-Street-Bankers Patrick Bateman, der zwischen Luxus-Einkäufen und mondänen Abendessen im Blutrausch Frauen tötet. Der Autor Bret Easton Ellis, damals 27, kombinierte für sein brutales Sittenbild stoische Aufzählungen von Lifestyle-Artikeln mit unfassbar detaillierten, grausigen Hinrichtungsszenen in mitleidslosem Ton. Da kam alles zusammen: der Glanz der Großstadt und der Untergang des Abendlandes, die Faszination des überbordenden Kapitalismus und der Bruch aller Regeln, Dekadenz und Endzeitstimmung. Literaturkritiker riefen zum Boykott auf, Frauenverbände forderten ein Verbot des Buchs,Ellis erhielt Morddrohungen. Internationale Verlage nahmen den Autor aus ihrem Programm, in Deutschland wurde das Buch jahrelang nur unter dem Ladentisch verkauft. Die Verfilmung neun Jahre später, mit Christian Bale in der Hauptrolle, heizte die Aufregung erneut an. Bis heute gilt »American Psycho« als Inbegriff des Skandalromans. Drei Jahrzehnte später, ein heikles Jubiläum: ein Rückblick mit Bret Easton Ellis.

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