Sabine, 51:
Natürlich hatte ich während des Lockdowns mehr Zeit als sonst auf Dating-Portalen verbracht, um nach möglichen Partnern zu suchen, weil ich viel öfter zu Hause saß. Ich konnte mich ja weder mit meiner Spielegruppe noch mit meiner Essensgruppe treffen oder ins Fitnessstudio gehen. Corona engt einen schon sehr ein. Manche Männer schrieben in dieser Zeit sogar in ihr Profil, dass es jetzt wenig Sinn mache zu chatten, man könne sich ohnehin nicht treffen. Das verstehe ich nicht, die können doch die Funktion »pausieren« auf den Portalen einstellen! Trotzdem hatte ich mich in den Wochen des Lockdowns mit drei Männern verabredet. Mit einem fuhr ich Rad im Stadtpark, mit den beiden anderen saß ich auf einer Parkbank. Einer brachte sogar einen Zollstock mit, um den Sicherheitsabstand auszumessen. Meine Güte! Dass auf einer Parkbank ein Meter fünfzig Abstand herrschen, wenn ich an einer Ecke sitze, er an der anderen, lässt sich doch leicht abschätzen. Aber die Männer zwei und drei waren ohnehin nichts für mich, mit Nummer eins hätte ich gern weiter gemacht, bei ihm hat es leider nicht gefunkt; er sagte zwar, ich hätte einen tollen Charakter, doch war ich ihm zu korpulent. Korpulent! Ich dachte, das sei ein Begriff, der nur für Männer angewendet wird. Gut, ich habe ein paar Pfund zu viel auf den Hüften, aber ich bin doch keine 180-Kilo-Frau, außerdem kann jeder auf meinen Bildern bei den Dating-Portalen sehen, ob ich schlank bin oder nicht.
