Was mich am meisten erschreckt hat? Gar nicht so leicht zu sagen. Mein eigenes Verhalten? Oder doch die Reaktion aller anderen? Der Reihe nach: Ich gehe also eines Morgens an der Tramhaltestelle über die Straße, neben mir ein paar andere Menschen auch. Ein Auto kommt um die Ecke, ziemlich schnell, der Fahrer sieht, dass wir Fußgänger Grün haben, er müsste halten, alles geregelt, eigentlich. Aber er gibt Gas, ha, die werden mir schon alle Platz lassen, Recht des Stärkeren. Ich bin ihm am nächsten, er hält voll auf mich zu, ich bleibe gerade noch stehen, er fährt mir mit den Vorderreifen fast über den Fuß. Ein Zentimeter Abstand. In dem Moment knackt es irgendwo in mir, Sekundenempörung, Synapsen-Explosion, ich hole aus, trete mit aller Kraft zu und erwische gerade noch den hinteren Kotflügel. Ein lauter Knall. Riesenbeule. Der Fahrer braust trotzdem weiter.
Leben und GesellschaftGrrrrrrr!
Aus Heft 2/20
Lesezeit: 4 Min.

Neulich wäre unser Autor fast von einem Auto angefahren worden. Im Affekt reagierte er ziemlich heftig. Jetzt fragt er sich, wie viel Wut der Alltag eigentlich verträgt.
Von Max Fellmann
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