Des weißt scho, dass des Ketchup vielleicht des beliebteste ist, aber sicher nicht des beste?«, fragte mich mein Vater, als er kürzlich mit meiner Mutter bei uns in London zu Besuch war und im niederbayerischen Dialekt die rote Flasche auf dem Küchentisch kommentierte. Natürlich wusste ich »des«. Heinz-Tomato-Ketchup, Qualitätsurteil lediglich »gut« (2,3), in der Kategorie Schadstoffe sogar nur »befriedigend« (2,6). Ich bin mit diesem Benotungssystem aufgewachsen, nicht nur als Schüler des deutschen Bildungswesens, sondern auch als Kind der noch deutscheren Stiftung Warentest. Für die vier Prozent der Bundesbürger, die sie nicht kennen: Es handelt sich um eine gemeinnützige Organisation, die unentwegt Sachen testet, vom Deo übers Nackenkissen bis zum Rasenmäher. Es ist das oft kopierte Original, »Unabhängig. Objektiv. Unbestechlich«, wie es die Stiftung Warentest auf ihre gleichnamige Zeitschrift druckt. Die Ur-Influencer, simply the test.
Stiftung WarentestStiftung Warentest, die Ur-Influencer
Aus Heft 2/26
Lesezeit: 9 Min.

60 Jahre gibt es die Mutter aller Produkttests schon. Unser Autor ist mit den Urteilen der Stiftung Warentest aufgewachsen. Zum Jubiläum hat er nachgesehen, was die Hefte eigentlich über Fortschritt, Niedergang und die deutsche Konsumentenseele aussagen.
Von Martin Wittmann
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