Der Raum ist abgedunkelt, es riecht nach Lavendel und Schweiß. Etwa 20 Menschen liegen rücklings auf schwarzen Matten, die Yogalehrerin bereitet sie vor auf Shavasana, die Endentspannung. Sie leitet die Atmung an: Neue Energie rein, alte Energie raus. Und gern kräftig seufzen. Ahhhhhh. Sie macht es vor, nach wenigen Atemzügen wabert ein akustisches Konglomerat an Ahhhs und Uffffffs durch den Raum. Manche japsen, einige stöhnen. Ungewöhnliche Geräusche. Intim. Nach wenigen Minuten ist der Moment vorbei, das Licht geht an, und die Menschen verlassen den Raum ein wenig leichter, als sie ihn betreten haben. Einige mögen sich auf dem Weg nach Hause vornehmen, das Seufzen in den Alltag zu integrieren. Alte Energie raus, neue Energie rein. Das wollen wir doch alle. Aber der Alltag ist kein Yogastudio, und wenn man sich im Bus, im Büro oder beim Friseur laut seufzend in den Sitz fallen lässt, erzeugt man Aufsehen und damit eher Unruhe als Ruhe.
EmotionenSeufz!
Aus Heft 23/25
Lesezeit: 3 Min.

Richtig satt ausatmen ist eine Wohltat für Körper und Seele. Aber von Frauen wird erwartet, dass sie sich das Seufzen verkneifen. Warum wir viel öfter mal Luft rauslassen sollten.
Von Christina Lopinski Illustration von Lina Ehrentraut
D