Müsliriegel und Nussmischungen
»Ich bringe jeden Tag sechs Müsliriegel und vier Nussmischungen mit in die Schule. Denn leider muss ich immer damit rechnen, dass Kinder zu mir kommen und sagen, sie hätten Hunger. Das geschieht eher heimlich, ich glaube, sie schämen sich ein bisschen dafür, weshalb ich ihnen zu vermitteln versuche, dass es nicht ihre Schuld ist, wenn niemand ihnen Frühstück macht. Bei diesen Gesprächen erfahre ich viel über die schwierige Situation der Kinder. Viele sind morgens auf sich allein gestellt. Die Eltern sind vielleicht schon bei der Arbeit, schlafen noch, weil sie im Schichtdienst arbeiten, oder sind aus anderen Gründen abwesend. Dann weckt niemand die Kinder, es gibt kein Frühstück, und sie müssen sich vielleicht noch um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Manchmal ist auch kein Essen im Haus, weil die Familien arm sind. Eigentlich ist es natürlich nicht die Aufgabe der Lehrkräfte, Lebensmittel mitzubringen, aber weil viele Kinder an unserer Schule sonst nichts zu essen bekämen, machen es andere Kolleginnen und Kollegen genauso wie ich.«
Realschullehrerin, Nordrhein-Westfalen
